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Montag, 24. April 2017

Von Auftragsarbeiten und Sonderwünschen

Im letzten Beitrag erwähnte ich bereits, dass mit dem Erstellen der Facebook-Seite und dem Versuch, meine Leidenschaft für das Häkeln publik zu machen, tatsächlich erste Anfragen eingehen. Okay, zugegeben, bislang sind es Freunde, Bekannte oder Verwandte, die sich ein Werk aus meiner Werkstatt wünschen, aber immerhin sind darunter Kontakte, zu denen bereits seit mehreren Jahren gar kein Kontakt mehr bestand. So eignet sich das Projekt "Trudis Traum" sogar zum Auffrischen alter Freundschaften :-)


Besonders schön ist es, wenn der Auftraggeber besondere Sonderwünsche äußert - diese zu erfüllen, macht das Werk doch direkt noch ein wenig wertvoller. So wurde letzte Woche z. b. eine meiner Handyhüllen in Tapestry Crochet Technik gewünscht. Sie sollte allerdings mit einem Band oder ähnlichem Versehen werden, damit das (recht kleine und leichte Seniorenhandy) beim Hundespaziergang auch zuverlässig mitgenommen wird und immer griffbereit ist. Ich entschied mich dafür, einen kleinen Karabiner anzunähen, so dass die Hülle, z. B. am Haken der Hundeleine befestigt werden kann. Das hat erstaunlich gut funktioniert. Ich werde es mir auf jeden Fall für die Zukunft merken und vielleicht bald auch Tapestry Crochet Schlüsselsäckchen mit ins Programm aufnehmen :-)

So ganz stimmt die Sache mit "Freunde, Bekannte oder Verwandte" aber doch nicht. Auf einer meiner letzten Zugfahrten ist nämlich eine ältere Dame auf meine Handyhülle aufmerksam geworden. Nachdem sie zunächst kaum glauben konnte, dass ich diese Hüllen selber fertige, wollte sie mir die Hülle unbedingt abkaufen. Ich hatte sie selber erst wenig genutzt und noch geschont, weil es ein Modell war, dass mir besonders gut gefallen hat. So konnte ich sie auch guten Gewissens hergeben und mich dafür bezahlen lassen (es war tatsächlich mein allererster Verkauf eines selbstgemachten Werkes). Allerdings hatte ich auf Reisen keinen Einsatz dabei und musste mir daher spontan eine neue Hülle häkeln. Weil ich auch diese besonders schön finde und mich jeden Tag daran erfreue, möchte ich sie hier ebenso zeigen und als Inspiration beim heutigen Creadienstag teilen.



Nach wie vor freue ich mich über jeden Besuch auf meiner Facebook-Seite und natürlich ganz allgemein über jede Form der Rückmeldung!

Dienstag, 18. April 2017

Neue Projekte

Schon wieder sind vier Monate vergangen, ohne dass ich die Muße hatte, den Blog mit Inhalten zu füllen. Dies lag aber nicht an einem Mangel möglicher Inhalte, sondern eher daran, dass andere Dinge bei meinem Zeitmanagement Vorrang hatten.

In den letzten Wochen hatte ich erfreulicherweise viel Zeit für neue kreative Projekte. Dabei begann alles damit, dass ich für Nachwuchs im Bekanntenkreis ein kleines Mitbringsel fertigen wollte. Ich entschied mich für Greiflinge mit Rasseln und hatte nach den ersten beiden „Prototypen“ direkt Ideen und Lust, weitere zu häkeln. Weil ich damit natürlich nun selber etwas wenig anfangen kann, möchte ich versuchen, die Greiflinge zu verkaufen. Hier stehe ich noch ganz am Anfang, habe aber immerhin eine bescheidene Facebook-Seite eingerichtet, auf der ich die Werke präsentiere. Ich freue mich über jeden, der auf der Seite vorbeischaut! :-) Ihr erreicht sie unter dem obigen Link bzw. direkt über https://www.facebook.com/Trudis-Traum-1504210202936883/

In diesem Beitrag zum Creadienstag möchte ich aber noch ein weiteres Werk zeigen, dass über die Ostertage entstanden ist. Den kleinen Teddy (aka Käpt’n Blaubär?) habe ich im Auftrag für einen Freund gehäkelt. Er soll ein Geschenk für einen weiteren neuen Erdenbürger sein und ich hoffe sehr, dass dieser Gefallen an meinem Werk finden wird!

Dienstag, 12. April 2016

Geschwisterbeziehungen - zweiter Teil

Über die Beziehung zu meinem Bruder habe ich hier schon einmal geschrieben. Geändert hat sich seitdem nicht viel und das eher in positiver Hinsicht. So hatte ich bei den letzten Familienzusammenkünften das Gefühl, mein Bruder hat ein wenig Egoismus durch Rücksichtnahme uns gegenüber eingetauscht und mir fiel es umgekehrt leichter als früher über die Spuren in Küche und Bad hinweg zu sehen. Die selbstgestrickten Socken stehen zu meiner Freude immer noch hoch im Kurs.

Von meinem Bruder habe ich jedenfalls jede Menge gelernt und vielleicht würde er dieses Kompliment ja sogar zurück geben. Aktuell wird er vom Lernen jedoch fürs erste genug haben und sich nach wochenlangem Lernprozess eine höchstverdiente Pause gönnen. Davor muss das in- und auswendig gelernte „nur“ noch abgeliefert werden - ich spare mir an dieser Stelle einen Kommentar über meine Gedanken zur Sinnhaftigkeit dieses, unserem Bildungssystem geschuldeten Prozedere. Das Examen schafft er auch noch, da bin ich mir sicher. Um ihm das Überstehen ein wenig zu erleichtern (falls das nur irgendwie möglich ist), habe ich es mir nicht nehmen lassen, ein kleines Survival-Kit zu schicken.


Darin gelandet sind:
Schokolade - als Nervennahrung
Halsbonbons - zum Durchatmen
ein roter Faden - falls er seinen verliert
Kräutertee - zur Entspannung
Energieriegel - gegen sinkende Konzentration
und ein Stein - der ihm vom Herzen fallen kann.

Inspiriert hat mich dieser Artikel der letzten Creadienstag-Runde und teilnehmen möchte ich mit meinem kleinen Paket am heutigen Creadienstag. „Geschwisterbeziehungen sind einmalig, weil es keine andere Form der Beziehung gibt, in der dieselbe Biologie und Soziologie geteilt wird“, erklärt der Kinder- und Jugendpsychiater Michael Schulte-Markwort. Ich jedenfalls drücke meinem Bruder die nächsten drei Tage so fest es geht die Daumen und hoffe, dass meine guten Gedanken dementsprechend auf einer besonders zuverlässigen Leitung übertragen werden. Toi, toi, toi.

Dienstag, 10. März 2015

Jogging Jeans

Nach den doch recht tiefgründigen letzten Posts, heute mal was ganz schnelles, einfaches: eine alte, zu weite Jeans mit neuem Bund am Bauch und an den Knöcheln ausgestattet. Jetzt ist sie vor allem eines nämlich so bequem wie eine Jogginghose und hoffentlich auch so mitwachskompatibel, dass sie mir den Prozess der Gewichtszunahme ein wenig erleichtert :-)


Fotografisch heute ganz schwach dokumentiert. Aber besonders raffiniert ist so ein Upcycling-Projekt ja dann doch nicht und ein "Hose auf Schreibtisch"-Stillleben genügt, um zu zeigen, was aus der alten Jeans geworden ist :-)

Verlinkt bei: Creadienstag, Upcycling-Dienstag

Dienstag, 17. Februar 2015

Sonnentagebuch im Sonnenglas

Wie wichtig es ist sich über kleine Glücksmomente des Lebens zu freuen, wird einem möglicherweise erst bewusst, wenn größere Schritte kaum mehr erreichbar scheinen. Eigentlich schade, aber ich zumindest habe erst durch das Erleben schwierigster Situationen und das Empfinden teilweise intensiv depressiver Momente gelernt, meine Wahrnehmung dahingehend zu schulen, jeden noch so kleinen positiven Aspekt ganz bewusst auf- und anzunehmen.


Ein (therapeutisches) Konzept dies zu trainieren, ist das Schreiben eines Sonnentagebuchs. Ein Notizbuch oder Heft, welches man jeden Abend zur Hand nimmt, um ein Erlebnis aufzuschreiben, das einem an diesem Tag einen Moment der Freude/des Glücks bereitet hat - und sei er noch so kurz gewesen. Ich verfolge den Gedanken des Sonnentagebuchs schon eine ganze Weile, zugegebenermaßen mal mehr mal weniger konsequent. Es gibt Tage, an denen es mir schwer fällt mich für einen von einigen/vielen fröhlichen, glücklichen, erfreulichen Momenten zu entscheiden. Genauso gibt es Tage, an denen ich lange überlegen muss, weil sie anstrengend waren, mir durchweg grau und trist erschienen und mir einfach kein „sonniger“ Moment einfällt. Aber sich zu „zwingen“ den Tag Revue passieren zu lassen, hilft auch an schlechten Tagen, den Blick auf die in aller Regel trotz allem vorhandenen positiven Dinge zu richten, darüber Kraft und Hoffnung zu schöpfen und nicht zuletzt dankbar zu sein.

In schwierigen Phasen oder bedrückenden Situationen im Sonnentagebuch zu blättern und sich an die gesammelten Momente zu erinnern, kann sehr wohltuend sein. In gewisser Weise speichert dieses also irgendwie (positive) Energie, die es bei Bedarf wieder abgeben kann, oder nicht?


Wem das zu abstrakt ist, der findet eine konkrete Realisierung dieses Konzepts in der Technik des Sonnenglas. Ein 1l Glas, dessen Deckel auf der Oberseite mit Solarzellen und auf der Unterseite mit LED Lämpchen ausgestattet ist, und welches dementsprechend tagsüber die Energie von - im wahrsten Sinne des Wortes - sonnigen Momenten speichert, die in dunklen Momenten die Beleuchtung des Inneren ermöglicht. Das Glas ist dabei eine wirklich schöne Lichtquelle und bietet vor allem viel Raum für Kreativität und ganz individuelle Gestaltung.

Ich zum Beispiel habe mein Sonnenglas kurzerhand mit der Idee des Sonnentagebuchs verbunden. Und so schreibe ich nun jeden Abend meinen ganz persönlichen Glücksmoment des Tages auf einen kleinen leuchtend gelben Zettel und lege diesen ins Sonnenglas. Und bis jetzt reicht schon der Blick auf die im Glas beleuchteten Zettel aus, mich an mindestens einen der gesammelten Momente zu erinnern, mich auch im Nachhinein noch einmal darüber zu freuen und mich so von der ein oder anderen ausweglos erscheinenden, belastenden, kraftraubenden Situation zumindest ein wenig abzulenken.

Wegen seiner Möglichkeit der kreativen Gestaltung des Inneren und meiner Interpretation des Sonnentagebuchs, verlinke ich das Sonnenglas heute als vielleicht den ein oder anderen zu Ähnlichem inspirierende Idee beim Creadienstag. Darüber hinaus möchte ich darauf hinweisen, dass mir das Glas kostenlos zur Verfügung gestellt wurde, wofür ich mich an dieser Stelle herzlich bedanken möchte. Der Text spiegelt dennoch meine ehrliche, persönliche Meinung wieder, soll keine Werbung sein und lediglich meine Gestaltungsidee präsentieren.

Dienstag, 16. Dezember 2014

Kreativ in der Küche

Ich bin mal ganz offen: auch die Zubereitung von Mahlzeiten und das Einnehmen ebendieser wird im Rahmen einer Essstörung zu einem äußerst kreativen Prozess. Wäre das Ganze nicht aufgrund des damit verbundenen Nachgebens/Auslebens von Zwängen und natürlich auch aus gesundheitlicher Sicht mehr als ernst zu nehmen, könnte man es definitiv als amüsant ansehen. Irgendwie tue ich das auch oft, viele Verhaltensweisen sind an Absurdität und Abnormität eigentlich kaum zu übertreffen. Meistens schäme ich mich aber für das Theater, das ich veranstalte, für den Aufwand, den ich betreibe oder dafür, mich einfach nicht mehr entspannt mit dem Thema/dem Akt der Nahrungsaufnahme auseinandersetzen zu können.

Ereignisse wie Weihnachten stellen da eine besondere Herausforderung dar und ich kann kaum abschätzen, wie viele Sekunden, Minuten, Stunden … ich mich damit gedanklich schon beschäftige. Heute bin ich zwecks meiner ‚Was esse ich bloß an Weihnachten?‘ Planung erstmalig tatkräftig geworden und habe mir Lebkuchen gebacken. Irgendwie lächerlich und irgendwie traurig, dass ich bislang nur einen einzigen und zwar den winzigsten unter den kleinsten, den ich im verlockend duftenden Lebkuchenberg erspähen konnte probiert habe, aber wenigstens habe ich mich dazu überwunden und kann daher sagen, dass ich sie geschmacklich sogar für recht gesellschaftsfähig halte (was bei so manch anderen Dingen die ich esse definitiv nicht der Fall ist).


Das Rezept ist dennoch etwas ‚anders‘ als so manch einer wohl backen würde, bestimmt gesünder als der gängige Weihnachtskram, aber wirklich einfach und kommt mit wenigen Zutaten aus:

250gr Mandeln und 250gr Getreide (ich habe Kamut verwendet) mahlen und mit einem Päckchen Backpulver, 0.5 TL Natron, einer Prise Salz, 2 EL Lebkuchengewürz (bzw. einer Mischung aus Zimt, Koriander, Anis und Nelken) und der abgeriebenen Schale einer Zitrone vermischen. 300gr Datteln in 300gr Wasser einige Stunden einweichen, mit einem Mixer oder Pürierstab pürieren, zur Mehlmischung geben und alles mit dem Handrührgerät vermengen. Hände anfeuchten, kleine Kugeln formen, auf ein Backblech mit Backpapier setzen und ein wenig flach drücken. Ofen auf 225 Grad vorheizen, Temperatur auf 160 Grad reduzieren und 10 Minuten backen, dann weitere 20 Minuten bei 140 Grad backen. Fertig!

Die Lebkuchen sind außen ein wenig knusprig und innen richtig schön weich und saftig - ich hoffe, das bleibt auch bei Lagerung bis Weihnachten so und noch mehr hoffe ich, dann auch mit Genuss und einigermaßen gutem Gewissen, welche essen zu können.

Verlinkt beim Creadienstag - vielleicht sucht ja jemand neben den vielen Geschenkideen auch noch nach einer Backanregung :D - und beim Weihnachtszauber, da lohnt es sich wirklich zu stöbern - so viele schöne Beiträge!

Dienstag, 2. Dezember 2014

Kindheit

Im Rahmen einer tiefenpsychologisch analytischen Psychotherapie kommt man wohl nicht drum herum irgendwann über seine Kindheit zu sprechen. Nach mittlerweile fast zwei Jahren Therapieerfahrung habe ich allerdings langsam das Gefühl, das zur Genüge getan zu haben. Sicherlich ist Vieles was man in frühen Lebensjahren erlebt wichtig und entscheidend für die spätere Entwicklung, aber das umgekehrt Vieles oder sogar Alles, was man später so macht, denkt oder fühlt alleine oder zumindest im Wesentlichen davon abhängt, das wage ich doch zu bezweifeln.

Ich hatte eine glückliche Kindheit. Gewiss gab es Situationen, Kontakte, Begegnungen, bei denen man im Nachhinein dazu neigt, sie als problematisch, die freie Entfaltung behindernd oder der eigenen Entwicklung nachteilig zu beurteilen, aber dennoch, ist es nicht so, dass man aus jeder Situation und Erfahrung ein bisschen mehr lernt zu leben?

Was ich mich derzeit jedoch häufiger frage ist, wann ich meine kindliche Unbeschwertheit verloren habe und ob das etwas Unvermeidliches ist oder ob man lernen kann, sich diese beizubehalten oder zurück zu gewinnen. Als Kind habe ich anders an das gedacht, was kommen wird. Was der nächste Tag, die nächsten Wochen, der nächste Monat bringt. Einerseits konkreter, andererseits sorgloser. In Bezug auf klare, greifbare Momente, anstehende Verabredungen und Ereignisse habe ich mir zwar Gedanken über die Zukunft gemacht, aber dieses belastende Grübeln über das Große und Ganze und die damit verbundenen Gefühle der Leere, des Trübsals, der Mutlosigkeit, an die kann ich mich nicht erinnern.

Natürlich gab es Situationen, die mich nervös gemacht haben, auf die ich keine Lust oder vor denen ich Angst hatte, weniger aber das Gefühl der Überforderung, mit dem ich heute oft zu kämpfen habe. Sollte das Gefühl, den Dingen nicht gewachsen zu sein, nicht gerade als Kind - der Körpergröße entsprechend - gerechtfertigt sein? Warum kommt es mir erst jetzt, warum fühle ich mich jetzt so schutzlos, schwach, klein und auf eine eigentlich kindliche Art und Weise hilflos?

Ganz anders, aber irgendwie trotzdem eng damit verbunden ist das Gefühl, die Zeit anders/besser nutzen zu müssen, welches mir, wenn ich ans Kind sein zurück denke in dieser Form nicht ins Bewusstsein kommt. Dieses Gefühl des „Sollens“ und „Müssens“, das der Frage „Was will ich eigentlich?“ so gar keinen Raum mehr lässt. Und dabei vielleicht gerade deswegen auftaucht, weil ich letztere einfach nicht beantworten kann.

Eine materielle Kindheitserinnerung, deren Daseinsende kürzlich gekommen ist, war mein fröhlich bunter Regenschirm, der mich einige Jahre und auf so manchen ungemütlichen, tristen, nassen Wegen begleitete. Nachdem zwei Streben gebrochen und der aufgespannte Schirm einem abwechselnd rechts und links ins Gesicht wehte, schien mir eine weitere Verwendung als solcher nicht mehr besonders sinnvoll zu sein.

Der Schirm wäre demnach sicherlich in seiner Gesamtheit im Mülleimer gelandet, wäre nicht ein weiterer nützlicher Alltagsgegenstand ungefähr zur gleichen Zeit durch deutliche Abnutzungsspuren aufgefallen. Der Türstopper, der unser Eingangstor am Einrasten hindert und ein bisschen dem Scheppern entgegenwirkt, wirkte wirklich nicht mehr besonders einladend (um nicht zu sagen abschreckend). Und da das Schirmmaterial im Gegensatz zum alten Stopperstoff ja sogar wasserabweisend ist, habe ich aus diesem kurzerhand einen neuen gemacht. Fröhlich, bunt und einladend, kann ich mich nun fast jedes mal bei Öffnen des Tores ein bisschen an die Unbeschwertheit der Kindheit erinnern und bin vielleicht ja doch irgendwann in der Lage mir diese nicht nur ins Gedächtnis, sondern auch ins aktuelle Gefühlsleben zurück zu rufen.


Verlinkt bei: creadienstag, UpcyclingDienstag

Dienstag, 25. November 2014

Kalte Hände

Grau und trist ist es draußen, gestern wie heute. Es wird kälter und ungemütlicher, die Tage werden kürzer, dunkler und gefühlt sind es nur noch eine Hand voll bis Weihnachten. Die meisten Menschen finden Wege, der Bedrohlichkeit des unmittelbar bevorstehenden Winters etwas Positives abzugewinnen. Machen es sich zuhause gemütlich, zünden sich Kerzen an, beginnen mit Weihnachtsvorbereitungen. Die meisten Menschen freuen sich auf Weihnachten - mich macht die Aussicht auf die Adventszeit dieses Jahr unheimlich traurig. Ich sehne mich in meine Kindheit oder auch nur drei, vier, vielleicht fünf Jahre zurück. In eine Zeit, in der ich viel unbeschwerter gelebt habe, in der ich mich auch auf Weihnachten gefreut, Adventskalender gebastelt, Plätzchen gebacken und Geschenke besorgt habe. Dieses Jahr habe ich Angst davor. Angst, Momente mit Grund zur Freude diesbezüglich ungenutzt an mir vorbeistreichen zu lassen, wie ich es nun schon eine ganze Weile tue, weil ich mir selbst so sehr im Weg stehe, das Leben wieder wirklich zu genießen.

Wenn es einem warm ums Herz wird, ist die Kälte draußen sicherlich erträglich. Heute fühlt es sich nicht so an, als wäre ich dazu in naher Zukunft in der Lage. Vielleicht legt sich dieses Gefühl wieder. Vielleicht lässt sich die Sonne demnächst wieder blicken und vielleicht kommt mit dem ersten Advent, einem Weihnachtsmarktbesuch, der brennenden Kerzen des Adventskranzes auch bei mir wohlwollende Weihnachtsstimmung auf.



Weil Frieren auch dann ein leidiges Thema bleiben wird und die Hände selbst zuhause, vor allem bei der Arbeit am Computer, schnell auskühlen (warum die rechte eigentlich immer so viel mehr als die linke??), habe ich mir als Alternative zu gestrickten Pulswärmern und mit Hilfe des Daumenloch-Tutorials von schneidernmeistern ein weiteres Paar genäht. Verwendet habe ich einen alten Pullover meines Bruders, den ich zuvor weniger erfolgreich versucht hatte enger zu nähen, weil mir der grau/grün gestreifte Stoff so gut gefällt. So kommt er zumindest in reduzierter Form wieder in Verwendung, die Hände bleiben einsatzbereit und dennoch einigermaßen warm! Eine große Tasse heißen Tee dazu und auch dieser triste, graue Novembertag wird fröhlicheren Tagen weichen...


Verlinkt bei: creadienstag, 2te Liebe und dem Upcycling Dienstag

Dienstag, 18. November 2014

Drei Dreieckstücher oder die Qual der Wahl

Wie viele Entscheidungen trifft ein Mensch am Tag? Aufstehen oder Liegenbleiben? Buntes oder schwarzes T-Shirt? Haare waschen oder Mütze aufsetzen? Es sind tausende. Viele laufen automatisiert ab, z.B. beim Autofahren einen Gang höher zu schalten, andere wiederum treffen wir vollkommen bewusst. Aber es ist ein Trugschluss „bewusst“ mit „rational“ gleichzusetzen.

Wer sich jetzt ertappt fühlt, muss sich jedoch nicht schämen - jahrhundertelang glaubten Philosophen und andere Wissenschaftler an die Vorherrschaft der Vernunft. Dass Emotionen entscheidende Voraussetzung für den Prozess einer Entscheidungsfindung darstellen, wurde erst im 20. Jahrhundert und ziemlich unerwartet entdeckt und im Rahmen moderner Neurowissenschaften bestätigt. (Wer näheres erfahren möchte, dem lege ich eine Suchmaschine seiner Wahl, die Begriffe António Damásio, Elliot und Descartes Irrtum oder das Heft Geo Wissen: Entscheidung und Intuition: Was will ich? Das Geheimnis der guten Wahl nahe.)

Ohne Gefühle also keine Entscheidung. Und ist nicht jede Entscheidung eine Art kreativer Prozess? Indem ich mich für eine Tätigkeit entscheide, gestalte ich meinen Tagesablauf. Die Entscheidung für ein bestimmtes Kleidungsstück, gestaltet meine Wirkung nach außen.

Ich habe momentan das Gefühl entscheiden zu müssen, wie ich mein Leben gestalte. Mir fehlt aber das Gefühl dafür, was ich eigentlich will. Ich weiß nicht mehr, was mir eigentlich noch erstrebenswert erscheint. Ein nennenswerter Grund dafür ist wohl, dass das Versetzen des Körpers in einen Hungermodus ein absolut wirksames Instrument dafür ist, einen beachtlichen Anteil eigener Emotion einzudämmen. Plötzlich erscheint einem das Meiste belanglos und gleichgültig, man fühlt nicht mehr viel, und auch diese Tatsache ist biochemisch bestätigt und evolutionsbiologisch erklärbar. Der (ver)hungernde Mensch sollte sich primär um Nahrungsbeschaffung kümmern, Raum für emotionales Erleben ist erst wieder sinnvoll, wenn zunächst mal das physische Überleben gesichert ist.

Für den Neandertaler echt praktisch - für mich ein Teufelskreis. Überfordert von der Menge an scheinbar zu treffenden Entscheidungen, jede einzelne ihrerseits verbunden mit einer schier unfassbaren Anzahl an Möglichkeiten, mit dem Gefühl überhaupt nicht in der Lage zu sein, zu erkennen, was ich will oder auch den Sorgen davor „falsch“ zu entscheiden, vielleicht bedingt durch die Erkenntnis teilweise schon falsch entschieden zu haben, entschied ich mich für das wohl am wenigsten sinnvollste. Zu verhindern Gefühlen ihr Dasein zu gewähren. Und das wiederum hindert mich nun entscheidend daran zu entscheiden, wie es mit mir weitergehen soll.


Auch die Auswahl in Woll- oder Stoffläden scheint teilweise unermesslich. Diese Erfahrung mache ich gerade mit meiner Mutter, die in einem Häkelbuch ein Dreieckstuch entdeckt hat, welches sie sich nun zu Weihnachten wünscht, sich aber bislang nicht richtig für eine Garn- und Farbvariante entscheiden kann. Um das Muster zu verstehen, habe ich probehalber ein kleines Tuch mit einem günstigen Garn gehäkelt (das im Buch abgebildete ist fünf mal so groß!). Und weil es mir recht gut gefällt, habe ich beschlossen selber auch ein größeres Dreieckstuch mit meinem Geschmack eher entsprechendem Farbverlauf zu häkeln. Mich für ein Garn zu entscheiden, fiel mir glücklicherweise einfacher als meiner Mutter und mit dem Tuch habe ich auch schon begonnen. Vielleicht war die emotionale Komponente in diesem Fall ja nicht so wichtig :-)


Verlinkt bei: Creadienstag & Häkelliebe