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Sonntag, 23. April 2017

Sonntagsfreude – Freche Früchte

Vielleicht hat der ein oder andere Leser ja durch den letzten Beitrag zu meiner Facebook-Seite gefunden und einen Blick auf die ersten Rasseln und Greiflinge geworfen. Für alle anderen möchte ich sie gerne auch hier auf dem Blog präsentieren. Tatsächlich fing alles damit an, dass ich bei meinem letzten Berlin Besuch vor ein paar Wochen ein kleines Geschenk für zwei Babys aus dem Bekanntenkreis mitbringen wollte. Natürlich sollte es selbstgemacht sein, meine Überlegungen reichten von der Pumphose über die Mütze zu einem Kissen und landeten schließlich bei einer gehäkelten Rassel. "Warum nicht das tun, was ich am besten kann und was mir am meisten Spaß macht?", dachte ich mir, denn um ehrlich zu sein, Nähen stellt für mich doch eine etwas größere Herausforderung dar.


Ich klickte mich also durch diverse Internetplattformen und ließ mich inspirieren. Letztlich entschied ich mich aber nicht für eine der online gefundenen Anleitungen, sondern legte einfach selbst los. Holzring, Rasselkugel, etwas Baumwollgarn und Füllwatte – und fertig waren die ersten Modelle. Und bei den ersten beiden kleinen Begleitern konnte ich es kaum belassen. So sind in der Folge noch einige weitere und eben auch die oben erwähnte Facebook-Seite Trudis Traum entstanden, über die ich versuche, die Spielzeuge unter die Leute zu bringen. Bislang haben die Seite "nur" Freunde und Bekannte gelikt und ich bin ganz gespannt, ob über den Blog auch Unbekannte ihren Weg dorthin finden. Dabei soll dieser Beitrag natürlich kein plumper Werbepost werden! Ich freue mich einfach, dass meine Werke erste positive Rückmeldungen erfahren und sogar schon die ersten "Aufträge" eingehen :-)


Heute früh habe ich die ersten beiden Modelle der "Frechen Früchte" fertig gestellt: Das aparte Äpfelchen und die pfiffige Pflaume :-D Wie gefallen sie euch?


Wie bereits einige Beiträge in der Vergangenheit, verlinke ich auch diesen bei der Linksammlung Sonntagsfreude. Ich freue mich am heutigen Sonntag besonders über den Zuspruch und über die Kreativität, die mich scheinbar unermüdlich immer wieder überkommt und zu neuen Werken inspiriert. Und ich freue mich darüber, Zeit zu haben, Ideen in die Tat umzusetzen. Leider wird die Sonntagsfreuden-Sammlung vorerst nicht mehr weitergeführt, aber umso mehr freue ich mich, heute nochmal dabei sein zu können!

Sonntag, 27. November 2016

Sonntagsfreude - Zero Waste Adventskranz

Sonntag, der erste Advent 2016. Der erste Sonntag im neuen Kirchenjahr kommt dieses Jahr so früh wie nur möglich, denn Heiligabend fällt auf einen Samstag. Womit sich viele schwer tun, fällt mir dieses Jahr leicht. Ich freue mich auf die Adventszeit und heiße sie gerne Willkommen.

Letztes Jahr habe ich das „Zählen der Tage“ durch die Arbeit im Kindergarten sehr bewusst erlebt. Von Tag zu Tag wurden mehr goldene Papiersterne an das Fenster geklebt und natürlich gab es einen ganz klassischen, schlichten Adventskranz, dessen Kerzen in der Mittagsrunde angezündet wurden. Dieses Jahr ist meine Herbst/Winterzeit sehr von Erinnerungen an letztes Jahr geprägt, das kenne ich so noch gar nicht von mir. So hatte ich das Bedürfnis danach, mir einen eigenen kleinen Adventskranz zu basteln.


Ich versuche immer noch möglichst wenig Müll zu produzieren, auf Plastik zu verzichten und insgesamt sparsam und durchdacht zu konsumieren. Für den „Kranz“ fielen mir leere Gläschen von Brotaufstrichen ins Auge - da es zunächst nur drei waren, habe ich die letzte Woche ein etwas ungewöhnliches Brot-zu-Aufstrich-Verhältnis an den Tag gelegt :-D In der Bastelkiste hatte ich noch Filzstreifen, ich glaube es waren Reste von Filzzuschnitten für Sitzkissen. Um die Gläschen zu verbinden, schienen die Streifen mir perfekt - sogar die Länge passte exakt. Einzig die Kerzen musste ich kaufen. Weil es keine großen Bienenwachskerzen gab, habe ich jeweils 7 kleine zusammengebunden und damit ungeplant eine Art Adventskalender geschaffen. Stabilisiert habe ich das ganze mit eingeschmolzenen Wachsresten.


Meine erste Tätigkeit heute war aber gar nicht das Anzünden der ersten Kerze, sondern der Gang in den Gottesdienst. Danach habe ich mich warm eingepackt und aufs Rad gesetzt. Die Touren sind immer geprägt von vielen Eindrücken, von denen ich nur wenige fotografisch festhalte, aber die liebevoll gestaltete Krippe in der Mauer an einem Hauseingang hat es vor die Linse geschafft.


Zurück zuhause fing es schon an zu dämmern, so dass die nun zum Leuchten gebrachte Kerze ihre Berechtigung hatte. Den Nachmittag / Abend habe ich genutzt, um einmal flott durch die Wohnung zu saugen und im neuen Zimmer eine Magnetpinnwand (die „zu Verschenken“ im Hausflur stand) und ein paar Postkarten aufzuhängen. Es fehlen allerdings noch einige, ich habe gestern vergessen, dass ich noch Büroklammern nachkaufen wollte… Und jetzt bin ich am grübeln, ob ich noch ins Kino gehe, oder den Abend gemütlich zuhause ausklingen lasse. Das altbekannte Entscheidungsproblem!

Verlinkt bei: Sonntagsfreude, Sieben Sachen Sonntag, EiNaB


Sonntag, 13. November 2016

Sonntagsneurose und Lebensfreude

Vor genau zwei Jahren habe ich auf diesem Blog den ersten Artikel veröffentlicht. Anlass genug, mich nach über einem halben Jahr mal wieder zu Wort zu melden.

Ich kann mich noch gut an die Zeit erinnern, in der ich den Blog gestartet habe. Der Leidensdruck meiner psychischen Irrungen und Wirrungen war wohl nahezu auf dem Höchstpunkt. Ich empfand nur sehr wenig Freude an (kleinsten) Dingen und diese wahrzunehmen, wurde zu einer täglichen Übung. Circa vier Monate später startete mein Klinikaufenthalt. Wenn ich vorher gewusst hätte, wie anstrengend, aufwühlend, verletzend und demotivierend manche Tage in der Klinik sein werden, hätte ich den Schritt in diese Behandlung vielleicht nicht gewagt. Wenn ich gleichermaßen gewusst hätte, wie wertvoll die Zeit im Nachhinein für mich sein wird, hätte ich mich vielleicht schon viel früher dafür entschieden. Wie gut, dass die Dinge kamen, wie sie gekommen sind - so war ich wohl genau zur richtigen Zeit am richtigen Ort.

Nun soll dieser Artikel eigentlich kein Rückblick werden. Eher ein Einblick, vielleicht auch ein Ausblick. Wie geht es mir momentan, was beschäftigt mich, woran muss ich noch arbeiten?


Auch wenn ich von der „Wie geht es dir?“-Frage nach wie vor nicht besonders viel halte: „So weit, so gut.“ wäre wohl eine passable Antwort. Im Vergleich zur Zeit vor zwei Jahren, bin ich deutlich aktiver, habe mehr Tatendrang, hege Wünsche, mache Pläne und verfolge Ziele. Im Großen, wie im Kleinen. Ich arbeite von Montag bis Freitag und manchmal auch am Wochenende, treffe darüber hinaus Verabredungen, treibe Sport, besuche Konzerte und Gottesdienste oder gehe ins Kino… Was für viele völlig selbstverständlich ist, war es für mich lange Zeit nicht. Ich empfinde wieder diese so wichtige, grundlegende Lebensfreude. Tage sind nicht mehr nur dazu da, um vorbei zu gehen, sondern, um genutzt zu werden.

Weil Entscheidungen treffen nach wie vor ein eher leidiges Thema ist, brauche ich dabei möglichst viel Struktur. Feste Tages- bzw. Wochenprogramme erleichtern mir den Alltag dahingehend, dass mich der Kampf mit der Frage „Was mache ich jetzt?“ nicht mehr allzu häufig aus der Bahn wirft. Leider passiert das dennoch weiterhin regelmäßig, weil mir irgendwo noch eine gehörige Portion Lustempfinden fehlt. Das Gefühl richtig Lust auf etwas zu haben, ist sehr sehr selten, so dass ich auch wenig „nach dem Lustprinzip“ entscheiden kann. Zusätzlich verspüre ich das starke Bedürfnis nach Sinnhaftigkeit meiner Tätigkeiten. Dennoch wagte ich den Schritt, beruflich nun einer Beschäftigung nachzugehen, bei der ich meine Arbeit größtenteils selber organisieren muss und nur wenig klare Aufgaben oder zeitliche Vorgaben bekomme. Das ist eine tägliche Herausforderung, in die ich definitiv noch herein wachsen muss möchte.

Eine andere große Herausforderung sind Sonntage. „Sonntagsdepression“ oder auch „Sonntagsneurose“ sind nicht nur für mich keine unbekannten Begriffe. Vor zwei Jahren veröffentlichten Hamburger Forscher die Studie „Rythms and Cycles in Happiness“ , in der das Auftreten von Sonntagsneurosen in unterschiedlichen Bevölkerungsgruppen systematisch untersucht wurde. Den Forschern zufolge hadern vor allem Menschen mit hohem Bildungsabschluss mit ihrer Freizeit. Einerseits möglicherweise aufgrund zunehmender Unsicherheit im Berufsleben, und damit unsicherer Erwartungen an den nahenden Montag. Andererseits vielleicht auch aufgrund des Bedürfnisses nach beruflicher Bestätigung und dem Ziel, seine Zeit „sinnvoll“ zu verbringen. Je weniger diesen Verlangen im Berufsalltag nachgekommen wird, desto größer die Gefahr, sie mit ins Wochenende zu nehmen?

Ein Generationsproblem scheint die Sache jedoch nicht zu sein. Bereits 1919 beschrieb der Analytiker Sándor Ferenczi in seinem Aufsatz „Sonntagsneurosen“ Patienten, die an Sonntagen von „mehr oder minder lästigen psychischen Zuständen geplagt“ sind, „die sich ohne besondere Ursache an diesem Tage einzustellen pflegten und den jungen Leuten den einzigen freien Tag der Woche oft gründlich verdarben.“ Und in den 50er Jahren beobachtete der Neurologe und Psychiater Viktor E. Frankl das "Gefühl der Öde und Leere, der Inhaltsleere und Sinnlosigkeit des Daseins, wie es gerade beim Stillstand wochentägiger Betriebsamkeit im Menschen aufbricht und zutage tritt“.


In meinem Fall mögen manche Aspekte passend und andere unpassend sein, aber Sonntage sind sicher nicht meine Lieblingstage. Vielleicht ist es am ehesten das Gefühl, dass etwas „zu Ende geht“, welches mir unangenehm ist. Nun finde ich mit wachsender Erkenntnis des Problems für mich glücklicherweise auch Mittel dagegen anzukommen. Sehr wichtig ist es, raus zu gehen. Am besten an Orte, an denen Menschen zu erwarten sind, die über die Tatsache, dass Sonntag ist, glücklich zu sein scheinen. Solche zu finden, ist nicht besonders schwierig - es kann der Spielplatz ums Eck, ein gut besuchtes Café in der Innenstadt oder ein beliebtes Ausflugsziel in der Umgebung sein. Kino, Theater oder Konzerte erfordern etwas mehr Planung und Entscheidungswille, eignen sich aber nicht minder gut.

Das vielfältige Angebot sonntäglicher „Eintritt frei - um Spenden wird gebeten“ Konzerten am neuen Wohnort ist meine heutige, vergangene und hoffentlich auch zukünftige Sonntagsfreude. Passend dazu zeigen die Collagen sieben Bilder sonntäglicher Unternehmungen der letzten Wochen und wandern damit in der Hoffnung nach langer Funkstille wieder ein paar Leser auf den Blog zu locken zur Sieben-Sachen-Sonntag-Sammlung.

P.S. Der Nachteil des hier so vielseitigen Angebotes: Oft - so auch heute - muss ich zwischen zwei oder mehr Konzerten wählen. Sinfonieorchester, eines der beiden Gospelkonzerte oder doch zum Public Viewing des 1000.Tatorts? Damit mich dann nicht doch wieder das „Was mache ich jetzt?“ Grübeln aus der Bahn wirft, lasse ich in solchen Fällen manchmal einfach das Los entscheiden. Schwierig ist es dann nur noch, die Entscheidung nicht in Frage zu stellen.

Sonntag, 24. April 2016

Sonntagsfreude - Laufen

Der positive Effekt von sportlicher (physischer) Betätigung auf das psychische Wohlbefinden wird in einer Vielzahl medizinischer Studien bestätigt. In einer aktuellen Studie untersuchte Emily E. Bernstein, eine Psychologieprofessorin aus Harvard, inwiefern tägliche Aerobic Übungen oder Jogging Runden helfen, Schwierigkeiten bei der Regulation von Emotionen zu überwinden. Hier konnte insbesondere den Aerobic Übungen eine positive Wirkung bescheinigt werden. Aber auch das Joggen kann helfen, Emotionen zu regulieren, Gedanken zu sortieren, ja sogar Entscheidungen zu treffen.

„Every major decision I’ve made in the last eight years has been prefaced by a run“ erklärte der Filmemacher und Youtuber Casey Neistat dem Magazin „Runner’s World“. Auch ich habe schon einige (wichtige) Entscheidungen während oder nach dem Laufen getroffen (unter anderem die für die neue Stelle im Rheinland). Und wenn ich in den letzten Wochen am Feierabend die Laufschuhe geschnürt und meine Runde im Stadtwald gedreht habe, tat ich das, um „raus zu kommen“. Nicht nur im wahrsten Sinne des Wortes, sondern auch gedanklich. Raus aus dem Büro an die frische Luft und raus aus den Gedanken des Arbeitstages.


Spaß habe ich beim Laufen eigentlich nicht. Im Gegensatz zum Radfahren finde ich es eher mühsam und muss mich manchmal richtig zwingen mich aufzuraffen. Im Gegensatz zu Radfahrern bringen Läufer einem auch selten einen fröhlichen Gesichtsausdruck entgegen, wenn sie einem entgegen traben. Aber das Gefühl nach dem Laufen ist ein angenehmes. Erschöpft, aber zufrieden etwas geleistet zu haben und vor allem (meistens): klar im Kopf! Die letzten Wochen bin ich zudem mit dem Ziel gelaufen, mich auf den heutigen 10km Lauf vorzubereiten. Und das hat mir (wie bei den Teilnahmen der letzten Jahre) richtig Freude bereitet. In einer riesigen Gruppe zu starten, vom Streckenrand aus angefeuert zu werden und das Gefühl etwas geschafft zu haben am Ende mit tausenden anderen fremden und bekannten Mitläufern zu teilen - das macht Spaß! Und während ich meine Trainingsrunden teilweise (größtenteils) eher gemächlich absolviert habe, bin ich die 10 km heute sogar nicht nur in persönlicher Bestzeit, sondern auch gleich zum ersten Mal unter 50 Minuten gelaufen. Sonntagsfreude!

Jetzt werden die Laufsachen guten Gewissens eine Pause einlegen. Als Ersatz packe ich den Wanderrucksack und starte auf meine erste mehrtägige Wandertour. Ich bin schon gespannt, ob mich die Füße ähnlich zuverlässig tragen werden, wie beim heutigen Lauf. Und bin mir sicher, dass die Stunden, die wir in 6 Tagen auf italienischen Wanderwegen verbringen werden, mindestens genauso gut zum Gedanken sortieren und Entscheidungen treffen taugen, wie die Jogging-Runden im Stadtwald.

Sonntag, 10. April 2016

Sonntagsfreude - Sein

„Es geht ums Sein und nicht ums Werden.“ Noch so ein Spruch, den ich oft im Sinn habe. Dabei kann ich nicht mal eine Quelle zuordnen. Vielleicht mal irgendwo gelesen? Falls Google die Weiten des Internets zuverlässig durchsucht, dort schonmal nicht. Vielleicht aber auch nur gehört - in einem Film z.B.? Oder aber in einer der zahlreichen Therapiestunden, denen ich beisitzen durfte. Letzteres erscheint mir am wahrscheinlichsten. Vielleicht, so ganz vielleicht, stammt der Satz aber auch von mir. Die Erkenntnisse aus 100 + x Stunden tiefenpsychologischer Analyse, auf den Punkt gebracht.

Gestern habe ich über die Analogie zwischen Wetter und Emotion geschrieben (aktuell und dazu bestens passend habe ich heute diesen Cartoon entdeckt). Das Wetter als „Sein“, die Witterung als „Haben“ und das Wettergeschehen als „Werden“ und schon steht der Vergleich. Sein, Haben und Werden möchte ich heute etwas genauer betrachten. In umgekehrter Reihenfolge.

„Werden“ ist das was in unserer Gesellschaft mittlerweile einen großen Stellenwert einnimmt. Los geht es spätestens in der Schule (teilweise sogar schon viel früher, Stichwort: Frühförderung). „Kind, was soll nur aus dir werden?“ fragt Oma den 7jährigen Maxi, dessen Lehrerin ihm bescheinigt „zum wiederholten Male die Hausaufgaben vergessen“ zu haben. Und ein Jahr später dann: „Was möchtest du denn mal werden?“ Maxi sagt „Indianer“ und versteht nicht, warum Oma resigniert den Kopf schüttelt. Wir lernen, etliche Tätigkeiten und Gedanken darauf auszurichten, unser „Werden“ zu beeinflussen.

Das „Haben“ ist meist eng damit verknüpft und auch hier lernen wir oft schon früh, wie wichtig (materieller oder monetärer) Besitz ist. Die 10€, die Maxis Oma ihm für das unerwartet gute Zeugnis zusteckt, das neue Modellauto, dass er sich davon kauft oder der Lohn, den sein Vater monatlich nach harter Arbeit auf dem Konto erwartet, um sich endlich ein Motorrad zu anzuschaffen. Ist es wirklich das, was die beiden glücklich macht? Oder ist Maxi letztendlich viel zu angestrengt damit beschäftigt, das Auto vor seinem kleinen Bruder zu verteidigen, während seinem Vater bei all der Arbeit gar keine Zeit bleiben würde für die regelmäßige abendliche Motorradtour, von der er so intensiv träumt…

Warum sind wir so bedacht darauf, auf Momente hinzuarbeiten, die wir uns im Vorfeld viel zu oft viel zu anders vorstellen, als es dem tatsächlichen Erleben entsprechen würde? Warum sind wir gedanklich oft so viel mehr in der Zukunft als im Hier und Jetzt? Eine berechtigte Frage. Kindern fällt es um Längen leichter im Moment zu leben. Die Fähigkeit autobiografische Ereignisse zeitlich zu ordnen, entwickelt sich erst ab dem 8. Lebensjahr. Kausal-motivationale Kohärenz (Tun der Vergangenheit mit Resultaten bzw. Erwartungen der Zukunft zu verknüpfen) als Teil dieser zeitlichen Kohärenz entsteht im Wesentlichen zwischen dem 12. und 20. Lebensjahr. Die Kinder, die ich im Kindergarten kennen lernen durfte, konnten nichts damit anfangen, wenn man ihnen versprach den großen Hängesessel "morgen" wieder aufzuhängen. Sie konnten das Glücksgefühl, dass ihnen das Schaukeln hier und jetzt brachte, gedanklich nicht an eine Aussicht auf möglicherweise kommende Umstände koppeln und auf den folgenden Tag übertragen.


Ich habe die Erfahrung gemacht, dass echte Glücksmomente nicht planbar sind. Wenn mich das schaukeln jetzt glücklich machen würde, wer sagt, dass mir morgen dabei nicht flau im Magen oder schwindelig wird? Darüber hinaus hat ein Glücksgefühl für mich meist wenig damit zu tun, dass ich etwas „geworden“ bin oder dass ich etwas „habe“. Stattdessen kommt es kraftvoll, meistens ohne Ankündigung, oft ohne mein Zutun, manchmal sogar ohne greifbaren Grund. Immer ist es ein Gefühl des „Seins“.

So zum Beispiel Momente auf dem Fahrrad, geprägt von Entdeckung von Landschaft, Natur, Tieren, Orten, Menschen, …Oder auch meine heutige Sonntagsfreude. Seit längerem träume ich vom eigenen Gemüse- und Obstanbau, letzten Sonntag habe ich schon erwähnt, dass ich sehr spontan eingeladen wurde, in einem Schrebergarten mitzuhelfen. Heute habe ich Eimer, Schaufel und Harke in die Hand genommen und mein erstes eigenes Gemüsebeet angelegt. Völlig unbedarft, habe ich drei Stunden lang in der Erde gebuddelt, um am Ende die ersten Samen zu verteilen. Habe ich dabei an das Ergebnis gedacht? Nein, ich war so vertieft und vollkommen zufrieden mit mir selbst, dass mir der Tag und die Tätigkeit in positiver Erinnerung bleiben wird, ganz egal, ob ich in ein paar Wochen oder Monaten die Früchte meiner Arbeit ernten kann, oder nicht.


Dazu beigetragen haben viele Dinge. Die Sonnenstrahlen (womit ich die Brücke zum Wetter nochmals schlage), die Marienkäfer, Hummeln, Regenwürmer, Tausendfüßler, … die Begegnungen in und um dem Garten herum, der Weg dorthin, der Weg zurück, der Kontakt zur Erde mit Händen und Füßen. Ich bin begeistert und überzeugt vom Barfuß laufen, das habe ich bereits in meinem ersten Blogartikel erwähnt und auch der Titel des Blogs ist letztlich darauf zurückzuführen. Die Freude heute barfuß in der Erde herum zu stapfen war doppelt so groß wie ich vorher dachte und die Füße waren danach auch nur halb so dreckig wie meine Mutter im Vorfeld sicherlich befürchtet hätte. Meine Gedanken zu Werden/Haben und vor allem Sein teile ich gerne nicht nur als Freude sondern auch als Inspiration. Und an Morgen denke ich heute sicher nicht mehr!

Sonntag, 3. April 2016

Sonntagsfreude - Plastikfrei

Nach den ersten Touren des Jahres am letzten Wochenende in der Heimat, habe ich gestern die erste lange Radtour in der neuen Umgebung gemacht. Man muss eine ganze Weile fahren, bis man die städtische Gegend hinter sich lässt und dann ziemlich aufpassen nicht direkt in der nächsten Stadt zu landen, aber ich habe ein paar schöne Wege gefunden. Die Welt mit Radleraugen sehen, tut mir gut und ich kann gar nicht erklären warum.


Besonders gefreut habe ich mich gestern über die milden Temperaturen und über die vielen Triebe, Knospen und Blüten, die mittlerweile zu entdecken sind. In einem Waldabschnitt wurde sogar darauf hingewiesen, die Wege nicht zu verlassen, da der Waldboden im Frühjahr vollständig mit Wildblumen bedeckt ist (was man in dieser Gegend nur noch selten beobachten kann). Es sah so aus, als würde der freundliche Hinweis wirken :-)

An anderen Teilen der Strecke, vor allem entlang stärker befahrenen Straßen, zeigte sich ein weniger schönes Bild. Alle paar Meter Müll, hier eine Tüte, da eine Verpackung, dort ein Kaffeebecher… Das meiste davon aus Plastik. Wir muten unserer Umwelt vieles zu, was sie eigentlich nicht langfristig verkraften kann und Plastik gehört dazu. Anfang März habe ich mich entschieden einen kleinen Beitrag zu leisten und versucht plastikfrei einzukaufen. Ich habe es mir wesentlich schwieriger vorgestellt und bleibe auf jeden Fall dabei. Dabei habe ich mich im Vergleich zu diesem und ähnlichen Beispielen wirklich nicht mit Ruhm bekleckert und trotzdem ein Häufchen Plastikmüll zu verbuchen.


Der Plastikmüll stammt im Wesentlichen aus Vorräten, bei denen ich mir nun überlege, wie ich sie, einmal aufgebraucht, auch plastikfrei besorgen kann. Polenta in einer Papiertüte habe ich z.B. schon entdeckt. Manche Dinge werde ich mir trotz Verpackung zugestehen, z.B. die Hafermilch und bestimmt auch hin und wieder einen Energieriegel. Konsequent bleiben möchte ich bei Obst und Gemüse und das ist im Bioladen oder auf dem Markt erfreulicherweise auch kein Problem. Mal sehen wie ich mich schlage, wenn die ersten Alltagsgegenstände wie Duschgel und Waschmittel ausgehen. Bambuszahnbürsten stehen schon auf der Liste und inspirieren lasse ich mich bei #EiNaB.

Vielleicht geht dieses Jahr sogar der Traum eines kleinen Gemüsegartens in Erfüllung. Spontan hat sich das Angebot der Mithilfe in einem Schrebergarten aufgetan, den ich mir heute direkt angeschaut habe. Dabei sind dann doch noch ein paar mehr Fotos entstanden und auch wenn ich genau wie gestern mit dem Rad unterwegs war, erlaube ich es mir meine Frühlingsspazierfahrt inmitten dieser Sammlung von Frühlingsspaziergängen zu verlinken :-)

Sonntag, 30. August 2015

Weiter Machen

heißt meine derzeitige Devise. Und „machen“ ist nun tatsächlich auch wieder recht wörtlich zu nehmen. So habe ich mich entschieden mit Beginn des neuen Schuljahres ein Freiwilliges Soziales Jahr in einer waldorfpädagogischen Einrichtung zu absolvieren. Endlich mal etwas tun, einer geregelten Tätigkeit nachgehen, die mir das Grundgerüst für einen wohlstrukturierten Tagesablauf liefert und mich Freizeit wieder genießen lässt. Weil Freizeit am Abend und am Wochenende ist und nicht wie teilweise während und vor allem nach dem Studium ganze Tage und Wochen von früh bis spät Freizeit sein wird, die Strukturierung meinerseits erfordert.


Auch wenn so manch einer das womöglich gar nicht recht verstehen kann - allein deswegen freue ich mich auf die neue Aufgabe, auch wenn ich von meiner gezwungenermaßen recht spontanen Wahl der Einsatzstelle noch nicht hundertprozentig überzeugt bin. Aber vielleicht kommt das ja mit der Zeit. Die letzten Tage Freih(/z)eit habe ich jedenfalls versucht gut zu nutzen und dabei einige Freiz(/h)eit investiert teils bekannte, teils unbekannte sehr schöne Orte zu entdecken. Noch einmal ein paar Tage mit Freunden und Familie die fränkische Heimat genießen, bevor es zurück in die Berliner Heimat geht - mein Grund zur Sonntagsfreude!


Die Kreativität endlich mal wieder gestalterisch ausleben, steht ganz oben auf meiner Freizeit-effektiv-nutzen-Liste (allerdings mit einer ganzen Hand voll anderen Dingen…). Bilder, die gemalt werden wollen, habe ich so einige im Kopf und auch auf Häkeln habe ich langsam wieder Lust. Und natürlich darauf, hier auch wieder kreative Werkeleien zu zeigen. Naheliegend wäre ja eine Waldorfpuppe, aber ich glaube beginnen werde ich doch eher mit einer Zeichnung und/oder einer neuen Handyhülle für das neue Smartphone, für das ich mich ja vielleicht endlich mal entscheiden würde, wenn zumindest die Hülle schonmal existent wäre :-D

Sonntag, 12. Juli 2015

12 von 12 - Juli

Einmal habe ich mitgemacht beim „12 von 12“ - Tagebuchbloggen, einer Linksammlung unter der sich jeden 12. eines Monats Blogartikel finden, in denen Blogger ihren Tag in Form von 12 Fotos dokumentieren. Im November 2014 war es der dritte Beitrag, den ich hier veröffentlicht habe. Ich gebe offen zu, dass ich den Gedanken des Verlinkens, um ein wenig auf den Blog aufmerksam zu machen und potentielle Leser hier herzuleiten heute wie damals sehr reizvoll finde. Im Zuge meiner geplanten Wiederbelebung des Blogs (ich habe neue Ideen im Kopf :-)) erschien es mir daher ganz passend mein Handy zum Fotografieren im Laufe des Tages wieder mindestens 12 mal in die Hand zu nehmen und zu sehen, ob Brauchbares dabei herauskommt. Urteilt selbst:


1 - Essen läuft bei mir seit der Klinik fürs erste nach Plan, eine Komponente des heutigen Frühstücks war (so nenne ich es liebevoll) „Buchweizenglibber“.
2 - Den Vormittag habe ich zum Aufräumen genutzt und in einem überschwänglichen „Wenn schon, denn schon“-Moment sogar den Staubsauger in die Hand genommen. Ja, am Sonntag. Die Nachbarn sind wohlwollend (hoffe ich).
3 - Danach weiter werkeln beim Hosen-Upcycling, Teil 1: Bund ab- und Schrittnaht auftrennen.
4 - Es folgte ein kurzer Blick auf den Balkon, das Wetter wirkt beständig. Auf nach draußen!


5 - Ein weiterer Beitrag zur Fotoreihe „Rad am Flussufer“ als Start in einen aktiven Nachmittag.
6 - Mit Freunden, einer Slackline ...
7 - ... mehreren Frisbees sowie Speed- und Badmintonausrüstung ...
8 - ... und spannender Lektüre als Leihgabe. Mal sehen, ob ich etwas finde! ;-)


9 - So schnell wie nie nach Hause geradelt, um noch Satz zwei, drei und vier des Wimbledonfinales zu verfolgen. Wahnsinns Tennis!
10 - Weil wegen Wimbledon dann alles ein bisschen später wurde und so, habe ich immerhin schonmal eine To-Do Liste für morgen geschrieben.
11 - Vergessenes Brötchen-rechtzeitig-Auftauen kann man einfach auf etwas unkonventionelle Art beschleunigen.
12 - Zuletzt noch Telefonate geführt, ein geplantes, ein ungeplantes. Austausch und Planung resultiert in ein wenig Nervosität, aber im Großen und Ganzen in Vorfreude auf die nächsten Wochen. So lässt sich der Tag gut beenden.

Und weil das ingesamt ein schöner Sonntag mit einigen kleinen und größeren Momenten der Freude war, verlinke ich den Beitrag nicht nur bei „12 von 12“ sondern auch bei den „Sonntagsfreuden“.

Samstag, 18. April 2015

Lebenszeichen - Wo soll’s hingehen kleiner Fuchs?

Viereinhalb Wochen bin ich nun schon in der Klinik und so langsam wird es wohl Zeit auch auf diesem Weg mal ein Lebenszeichen in die (virtuelle) Welt zu senden. Ich bin angekommen, reingekommen, weitergekommen - aber noch lange nicht am Ziel.

Die Zeit vergeht hier unheimlich schnell und ich kann gar nicht richtig glauben, dass ich schon fast 5 Wochen da bin. Und so richtig viel zu den Dingen, die ich mir vorher als „Ohje, wie beschäftige ich mich da nur die ganze Zeit“-Gedanken-Entgegenwirkungsmaßnahmen überlegt und mitgenommen hatte, komme ich nicht. Vor allem die Bücher liegen mehr oder weniger unberührt auf dem Nachtisch und auch dafür den Rechner anzumachen, mal bei Facebook vorbeizuschauen, Blogs zu lesen, meine Youtube Abos durchzuschauen, finde ich eigentlich gar keine richtigen Momente und wenn ich es dann mal tue, wird es plötzlich unheimlich anstrengend und die geballte Ladung an Information von „draußen“ ist irgendwie recht überfordernd. Das ist eine sehr interessante Erfahrung und ich bin froh (noch) eine Weile hier in diesem (so sagt man) „geschützten“ Raum sein zu dürfen. Es ist schön, es gefällt mir, es ist eine Art eigene Welt im Kleinen, die zwar sehr viel friedlicher und wohlwollender ist, aber dennoch die echte Welt da draußen widerspiegelt und mich das Leben, vor allem das Leben in Gemeinschaft, auf irgendeine Art und Weise neu erlernen lässt. Eine gute Erfahrung und ich habe das gute Gefühl mich auf dem Weg der Genesung schon ein ganzes Stück vorwärts bewegt zu haben. Wohin auch immer mich dieser führen wird!

Ein wenig Freizeit bleibt zwischen dem Therapieprogramm natürlich doch und so habe ich zum ersten Mal eine Puppe gehäkelt - diesen kleinen Fuchs.


Ein bisschen traurig und bedröppelt schaut er noch in die Welt hinein, so als wüsste auch er noch nicht genau, wo es hingehen soll… Aber vielleicht muss man ihm das auch noch ein Weilchen lassen. Die Augen durch Perlen ersetzen und die Wangen ein wenig gerötet hervorheben, darum kümmere ich mich bei Gelegenheit, aber im Moment passt mir der etwas schläfrige, aber doch irgendwie auch friedliche Blick eigentlich ganz gut. Alles andere wird kommen, wenn es auch in mir soweit gekommen ist :-)

Grüßen möchte ich mit diesem Beitrag und einem winkenden Fuchs alle, die Anteil nehmen, welcher Art auch immer! Stille Leser, Leser, die sich vorsichtig und freundlich per Mail nach meinem Befinden erkundigt haben und natürlich auch alle Freunde und meine Familie, die mir gerade so viel Unterstützung und Vertrauen entgegenbringen (und so viele Postkarten schicken :D), dass ich kaum Worte finde meine Dankbarkeit auszudrücken. Deswegen ganz kurz und knapp und ein jeder darf sich nun angesprochen fühlen: Danke! Ein wahrer Grund zur Sonntagsfreude!

Sonntag, 1. März 2015

Dem Alltag entfliehen

ist etwas, das mir derzeit unheimlich schwer fällt. Ein vermutlich ganz entscheidender Aspekt meiner psychischen Probleme geht mit ausgeprägtem Streben nach Kontrolle, Sicherheit und klaren Tagesabläufen einher. Schon der Gedanke daran, die Kaffeepause am Mittag eine halbe Stunde früher oder später stattfinden zu lassen, weil nachmittags eine Verabredung oder ein Termin ansteht, ist für mich stressig und beschäftigt mich im Vorfeld umso mehr, je mehr Tage vorher nach festem Schema abgelaufen sind.


Kontrolle zählt nach einer verbreiteten und anerkannten Theorie neben Bindung, Selbstwerterhöhung und Lustgewinn zu den vier emotionalen Grundbedürfnissen des Menschen. Insofern sollte ein gewisses Ausmaß an Sicherheitsstreben wohl erstmal nicht ungewöhnlich oder negativ sein. Problematisch wird die ganze Geschichte erst, wenn ein Grundbedürfnis insbesondere aufgrund Unbefriedigung anderer so stark in den Vordergrund rückt, dass einerseits die Wahrscheinlichkeit des Befriedigens der unbefriedigten immens sinkt und andererseits die extensive Konzentration auf das vordergründige in dysfunktionalem Handeln oder Verhalten resultiert. Ist der Mensch nicht mehr in der Lage sich von ebendiesem zu befreien, steckt er aus psychologischer Sicht in einer Lebensfalle.

Ich habe keine konkrete Vorstellung davon, wie mein Alltag in der Klinik aussehen wird und das ist vielleicht auch ganz gut. Aber in irgendeiner Weise wird das Ziel des Meisterns der Lebensfalle verfolgt werden und hier rät die Theorie sich einen Moment der Ruhe zu gönnen, sich zu sortieren und sich von ungesunden, festgefahrenen Bewältigungsmechanismen zu lösen. Und dann hinter diese Strategien zu schauen, die Ursachen zu entschlüsseln, herauszufinden welche Grundbedürfnisse in welcher Form relevant sind, flexibler in der Art und Weise ihrer Befriedigung werden und vor allem bei Einfachem anfangen, um in kleinen Schritten irgendwann das grundlegende Ziel zu erreichen.

Dass ich damit meinem derzeitigen, von unzähligen absurden Zwängen, Kontrollmechanismen und dadurch relativ wenig Spontaneität, Flexibilität und letztlich Lebensfreude geprägtem Alltag entfliehen muss ist offensichtlich. Aber genau das will ich mittlerweile und notwendig wird es ohnehin, wenn der derzeitige (Arbeits-)Alltag mit Beenden der Arbeit innerhalb der nächsten Tage in sich zusammenbricht. Ich glaube „bei Null“ anfangen ist eine große Chance und auch wenn vor allem ersteres sicherlich keine meiner Stärken ist versuche ich ganz spontan und offen zu sein für alles was kommt. Denn das ist bestimmt früh genug wieder eine Form von „Alltag“, bei dem es gilt sich regelmäßig daran zu erinnern, wie gut es tun kann diesem doch gelegentlich einfach mal zu entfliehen.

Den Beitrag verlinke ich heute beim Fotoprojekt „Beauty Is Where You Find It“ für den Monat Februar, wo wirklich einige schöne Gedanken und Bilder zum Thema „dem Alltag entfliehen“ zusammen gekommen sind und als Rückblick auf die Mittagspausen der letzten Woche und positiven Ausblick auf die nächste auch bei den Sonntagsfreuden.

Sonntag, 22. Februar 2015

Ich lass das jetzt so!

muss sich der Postbote gedachte haben, als er dieses Päckchen sicherlich auch zur Freude des Empfängers in (oder besser gesagt „an“?) seinem Briefkasten platziert hat.


„Ich lass das jetzt so“ ist ein Gedanke, dessen Treffen mir in vielerlei Hinsicht glücklicherweise nicht besonders schwer fällt. Wenn ich z.B. morgens vorm Spiegel versuche meine Frisur in eine einigermaßen ansehnliche Form zu bringen. Oder wenn ich mein Zimmer staubsauge und ein ums andere mal feststelle, dass es da Ecken gibt, die das untere Ende des Staubsaugers aufgrund eingeschränkter Erreichbarkeit doch recht selten zu Gesicht bekommen. Und auch beim Malen, Nähen, Stricken oder Häkeln gibt es so manches mal solche Momente, auch wenn mich diese manchmal dann doch in einem unbefriedigtem Gemütszustand zurücklassen.

Zur Zeit sind die Tage geprägt von vielen „Ich lass das jetzt so“ Momenten bezüglich des Zustands der Abschlussarbeit. Ich versuche ganz intensiv zum Ende zu kommen, nicht hier und da das Gefühl zu haben, man „könnte“ ja noch dies oder „sollte“ noch jenes ergänzen/ überarbeiten/ korrigieren/ umformulieren/… Der Wunsch fertig zu werden geht seit dieser Woche mit Klarheit über den Beginn der stationären Therapie einher. Ich freue mich sehr, dass endlich alle bürokratischen Hürden genommen sind und es wirklich ganz bald losgehen wird. Was mich konkret erwartet weiß ich nicht und ich vermeide es auch mir darüber Gedanken/Sorgen zu machen, aber was ich in jedem Fall hoffe ist, die Klinik in einem Zustand wieder verlassen zu können, über den ich mit vollkommener Überzeugung sagen kann: „Ich lass das jetzt so.“

Sonntag, 1. Februar 2015

Sonntagsfreude


OP geglückt!

Dieser kleine Kerl begleitet mich schon lange. Geschenkt bekommen habe ich ihn vor Jahren von einer Freundin, am Tag bevor ich wegen einer (wirklich kleinen und undramatischen) Augen-OP ins Krankenhaus musste. Ein Begleiter - obwohl ich ihn nicht mit den OP-Saal nehmen durfte. Aber seit diesem Ereignis hatte der kleine Bär stets einem Platz in meinem Rucksack - die Rucksäcke wurden ausgetauscht, der Bär durfte bleiben. Bis ich im Sommer beim Austausch eines ausgedienten Rucksackes bemerkte, dass er seine Beine verloren hat und er mit dem Vorsatz ihn bald wieder zusammenzuflicken in meinen Nähkorb wanderte...

Ich hatte damals nicht mal Angst vor der Operation, ich litt vielmehr unter meiner unheimlich großen Abneigung gegenüber Krankenhäusern. Ich weiß auch nicht woher das kommt, aber mit dieser typischen Krankenhausatmosphäre kann ich wirklich alles andere als gut umgehen. Vielleicht, weil ich selten mit Kliniken in Kontakt kam - ich kann mich kaum an Besuche erinnern und bin nichtmal in einem Krankenhaus geboren. Ich musste auch damals im Anschluss an die Operation nicht in der Klinik bleiben und es wäre wohl kein großer Unterschied zu einer OP in einer Praxis gewesen, aber allein die Tatsache ins Krankenhaus zu müssen, machte mich unheimlich nervös.

Dieses Gefühl ist bis heute geblieben. Krankenhäuser sind für mich Orte, mit denen ich nicht besonders gut umgehen kann. Betrete ich eines, stellt sich unmittelbar das Verlangen ein, dieses wieder zu verlassen. Diese direkte, unvermeidbare Konfrontation mit Krankheit, mit Leiden, oft auch mit dem Altern, überfordert mich. Aber jetzt bin ich selber krank und habe erkannt, dass auch meine Krankheit eine Behandlung erfordert, deren ausreichende Intensität vielleicht nur durch ein Krankenhaus gewährleistet werden kann.

Die Aussicht entgegen all meiner bisherigen Erfahrungen sehr bald mehrere Wochen, wahrscheinlich Monate in einer Klinik zu verbringen, macht mir Angst. Ich bin mir der Notwendigkeit dessen zwar bewusst und stehe der Behandlung und dem hoffentlich eintretenden Heilungsprozess offen gegenüber, aber an das Krankenhaus, die Station, das Zimmer, die Betten, ... daran möchte ich gar nicht denken.

Vorsorglich habe ich mich jedenfalls endlich aufgerafft dem kleinen Bärchen die Beine wieder anzunähen. Nun wieder standfest, ist zumindest er schon mal für den anstehenden Krankenhausaufenthalt gewappnet. Und dieses mal darf er mich ja wenigstens sicher auch während der Behandlung begleiten!

Sonntagsfreude

Sonntag, 11. Januar 2015

Rückblick

Gerade, beim Fotos sichten, bekam ich doch noch Lust auf einen kleinen Rückblick in die Geschehnisse der letzten zwei bis drei Wochen. Sieben davon ausgewählt, liefere ich mal wieder einen etwas unkonventionellen Beitrag zum Sieben Sachen Sonntag, aber auch bei den Sonntagsfreuden möchte ich gerne wieder teilnehmen. Und hier sind sie:


Licht in Form von Weihnachtsgeschenken - Licht am Baum - Licht in den Kirchenfenstern


Und Schnee - der ganz plötzlich in der Nacht zum 27. Dezember fiel und in einer solchen Menge irgendwie doch immer wieder eine ganz eigene Wirkung hat, wenn man morgens das erste mal aus dem Fenster blickt (links unten). Auch wenn unsere Heimfahrt an diesem Tag und die vieler anderer für alle Autofahrer wohl nicht die angenehmste war, empfand ich es als ein unheimlich gemütliches Familienereignis bei Schneetreiben im Auto zu sitzen oder gegen Abend an einer völlig verschneiten Raststätte Pause zu machen (rechts oben). Auch die Erinnerung an den Schneespaziergang bei strahlendem Sonnenschein (links oben) mit zwei sehr lieben Freundinnen am Tag danach ist eine schöne, genau wie die an den Schneespaziergang am Neujahrstag in München (rechts unten) bei ebenso viel Sonnenschein mit meinem Bruder, der mich in eher schlechter Fassung die Tage um Silvester ganz spontan bei sich aufgenommen und sie mir ein wenig leichter gemacht hat!

Sonntag, 14. Dezember 2014

Die Sache mit den Geschenken


Sind sieben verpackte Geschenke ein legitimer Beitrag zum Sieben Sachen Sonntag? Eine Sonntagsfreude bereiten sie mir in jedem Fall und der Prozess des Verpackens erforderte sieben mal ganze sieben Schritte: Papier zuschneiden, Stofffetzen abschneiden, Stofffetzen annähen, Papier zusammennähen, Geschenk reinlegen, letzte Seite mit kleiner Verzierung versehen und schließen, Namen drauf schreiben. Mir gefiel der Gedanke ein wenig ungewöhnlich und plastikfrei zu verpacken und das Packpapier mag ich sowieso lieber als kitschiges buntes Geschenkpapier mit aufdringlichen Weihnachtsmotiven. Mit diesem Ergebnis meiner kreativen Gedankengänge bin ich also recht zufrieden.

Mit den Geschenken habe ich mir dieses Jahr etwas schwer getan, obwohl ich eigentlich sehr gerne schenke. Ich wollte Vieles (Alles?) selber machen, hatte so viele Ideen im Kopf und in den unendlichen Weiten der Kreativbloggerwelt tauchen zurzeit jeden Tag unzählige Beiträge über Weihnachtsgeschenkideen und deren Fertigung auf, die es mir nicht einfacher machten. Letztendlich bin ich daran gescheitert meine eigenen Fähigkeiten und die mir zur Verfügung stehende Zeit richtig einzuschätzen. Kennt ihr das? Man sieht ein genähtes Täschchen, das gestrickte Stirnband, den gehäkelten Topflappen, liest die Anleitung dazu oder überlegt sich selber wie es gemacht wurde und es erscheint einem total unkompliziert, einfach und vor allem innerhalb weniger Minuten gemacht? Ich muss gestehen, dass mir das wirklich oft passiert, ich aber vor allem beim Nähen noch eine ganze Menge Lernbedarf habe, vieles einfach mal ausprobiere und die Dinge dabei auch nicht selten alles andere als gelingen.

So habe ich letztlich entschieden, doch einige Geschenke zu kaufen (und den selber gemachten Anteil eben auf die Gestaltung der Verpackung zu beschränken). Ich hoffe sehr, die Beschenkten freuen sich dennoch - denn deswegen kann Schenken dem Schenkenden doch auch (manchmal sogar genau so viel wie dem Beschenkten) Freude bereiten!

Stressig sollte es jedenfalls nicht sein und so bin ich recht froh, einen gewissen Teil der Geschenke „fertig“ zu haben. Ein paar Sachen wurden oder werden zwar selber gemacht, aber ich sehe den verbleibenden Tagen bis Weihnachten nun etwas entspannter entgegen und hoffe, dass auch die noch unfertigen Teile rechtzeitig fertig werden, verpackt werden können und dass ich damit Familie und Freunden über diese kleine Geste ein bisschen zeigen kann, wie wertvoll sie mir sind, was mir auf andere Art und Weise derzeit nicht ganz leicht fällt.

Das schöne weihnachtliche Webband habe ich zusammen mit ein paar anderen schönen Kleinigkeiten bei einer Verlosung von Nina gewonnen. Noch ein Grund zur Freude, danke dafür! :-)

Und noch ein Nachtrag: Eines der Geschenke habe ich gerade noch fertig gemacht, um es morgen zur Post zu bringen. Da der Beschenkte in diesem Fall bestimmt nicht mit einem Päckchen (von mir) rechnet und es für ihn demnach wohl eine besondere Überraschung sein wird, freue ich mich sogar noch ein bisschen mehr. Ein wirklich schönes Gefühl.

Montag, 8. Dezember 2014

Fragmente eines erkenntnisreichen Wochenendes

… sind meine gestrigen Sonntagsfreuden! Intensiv, anstrengend, voll mit Programm - aber schön und abwechslungsreich.


Ich mag es in „fremden“ Wohnungen zu sein, zu sehen, wie Andere ihr Zuhause einrichten und gestalten, es sich wohnlich machen.


Es hat Spaß gemacht beim Baumschmücken zu helfen. Dies mit bunten Holzfiguren aus allen erdenklichen Ecken des Tierreiches zu tun, finde ich immer wieder eine ganz besondere Idee.

Auch das Austauschen über Handarbeiten und über das Leben an sich war dieses mal nur wenig mit negativen Gefühlen verbunden.

Toleranz, Offenheit, Herzlichkeit, Rücksicht und Gastfreundschaft wird mir immer wieder (immer noch?) von so vielen Seiten entgegengebracht. Das berührt mich, erfüllt mich mit Dankbarkeit und lässt mich inständig hoffen, dass ich irgendwann in der Lage bin all das auch wieder zurück zu geben.


Der Sonntag bot Unterhaltungsprogramm erster Klasse: einen wirklich bewegenden Film, der einen mit Kloß im Hals den Saal verlassen, mich persönlich aber auch die eigene Situation plötzlich wieder ein wenig aussichtsreicher und hoffnungsvoller ansehen ließ.

Gefolgt von einem nervenaufreibenden Basketballspiel bei toller Atmosphäre, das am Ende leider unheimlich knapp die „falsche Mannschaft“ gewonnen hat.

Und zum Abschluss eine Sache, die mir immer mal wieder exemplarisch in den Sinn kommt, wenn ich erklären soll, was ich mir unter „Andere in meinem Alter führen im Gegensatz zu mir ein ‚normales‘ Leben.“ vorstelle: Sonntags Abends zum gemeinsamen Kochen und Tatort schauen verabreden.

Es hat gut getan all diese Dinge zu erleben. Aber es bleiben auch Fragen: Wann/Warum habe ich aufgehört ‚normal‘ zu leben? Habe ich überhaupt jemals damit angefangen? Warum tue ich mir so schwer, welche Aspekte/ Eigenschaften/ nicht vorhandene Fähigkeiten hindern mich? Vielleicht gilt es ja, gerade das herauszufinden.

Sonntag, 30. November 2014

Sonntagsfreude - Ankommen im Advent

Der Duft der Bienenwachskerze auf dem Adventsteller, der sich nach Anzünden der ersten Kerze heute Morgen innerhalb weniger Augenblicke im ganzen Esszimmer verbreitete, hat mich mit dem Beginn der Adventszeit ein wenig versöhnlich gestimmt. Dieser Kerzenduft, und mein damit verbundenes Abschied nehmen von der Herbst- und Willkommen heißen der Weihnachtsstimmung ist eine schöne Sonntagsfreude finde ich.

Heute habe ich mich darauf konzentriert, den Blick auf Neues zu richten. Nicht auf die schwindenden Überbleibsel des Herbstes, sondern auf andere Dinge. Dinge, weniger der Kraft der Natur zu verbuchen, die eine Ruhepause wohlverdient hat, sondern eher von Menschenhand geschaffen. Wir schaffen uns Gemütlichkeit und kommen im Idealfall auch selber zur Ruhe. Das ist es, was ich mir für mich und die kommenden letzten Wochen des Jahres wünsche. Ein wenig weniger Getriebenheit, nicht mehr ständig das Gefühl noch dieses und jenes erledigen zu müssen und ein gutes Gewissen dabei, die Wohnung an manchen Tagen auch einfach mal nicht zu verlassen. Die Dunkelheit draußen annehmen und drinnen die Kerzen anzünden. Und ist die lange Unterwäsche erstmal aus dem Schrank gekramt und man damit warm genug angezogen, kann eine Sonntagswanderung auch im Winter sehr angenehm sein.



Meine Sonntagsfreude ist dieses Ankommen im Advent, die heutige Wanderung, bei der Kraft und Konzentration erst gegen Abend beim abschließenden Weihnachtsmarktbesuch durch Kälte und Trubel doch spürbar nachließen. Das Jahresende bietet Platz für besondere Gefühle und die ersten ebendieser erlebte ich heute, beim Aufwärmen zurück zu Hause, dabei, ohne Wehmut die Bilder von heute und ein paar weitere schöne Herbstbilder zusammenzustellen und dann mit offenen Augen allem was die Weihnachtszeit bringen mag entgegen zu blicken und der Adventsdekoration ihr Dasein zu gewähren!


Verlinkt bei den Sonntagsfreuden von Frau Kreativberg, wo es heute bestimmt noch einige weitere Bilder erster Adventssonntagskerzen zu bestaunen gibt :-)