Freitag, 7. August 2015

Radwandern - Zweiter Teil

Bevor der Rest des Sommers im Zeichen von Wohnung-/Zimmersuche und jeglicher sonstiger Orientierung geprägt sein wird, habe ich noch einmal die Satteltaschen gepackt und bin losgeradelt. Dieses Mal von Berlin aus an die Ostsee, nach Usedom. Wie die letzte Tour habe ich alle drei Tage auf dem Rad sehr genossen, die Anstrengung gibt mir ein Gefühl von Zufriedenheit, das Reisetempo ist für mich ideal um Umgebung wahrzunehmen, zu entdecken, hier und da zu grübeln und in wieder anderen Momenten den Kopf völlig frei zu bekommen. Dieses Mal war ich, mehr als bei der letzten Tour, von der Freundlichkeit der Menschen begeistert, die mir begegnet sind, andere Radfahrer, die Vermieter meiner Unterkünfte, Wanderer, Einheimische, ... Nur die vielen vielen Touristen, die auf der Bundesstraße nach Usedom in einer gefühlt ununterbrochenen Autoschlange entlang rasen - wohl ohne es erwarten zu können endlich am Urlaubsort anzukommen und dabei scheinbar keinen Blick für Radfahrer haben, mit denen sie sich die Straße wegen des gesperrten Radweges teilen müssen - die waren mir weniger sympathisch. Ich bin dennoch heil angekommen und erfreut darüber wieder einen kleinen Teil der Welt auf meine Weise kennengelernt zu haben - nagut einen kleinen Teil Deutschlands und einen noch sehr viel kleineren Teil Polens, aber immerhin!


Noch viel öfter als Menschen, bin ich der Tierwelt begegnet und auch das auf größtenteils erfreuliche, nur zeitweise nervige (tausende wirklich klitzekleinster Mücken auf Armen, Beinen, T-Shirt, im Gesicht, ...!!!), teilweise aber auch nachdenklich stimmende Art. Wenn ich Kuhherden auf weitläufigen, satt grün bewachsenen Weideflächen sehe, ist das für mich auf den ersten Blick ein idyllischer Anblick, der ganz kurzfristig ein Heile-Welt-Gefühl hervorruft, bevor mir bewusst wird, dass auch diese Kühe Nutztiere sind und ein Großteil ihrer Artgenossen niemals in den Genuss eines derartigen Daseins kommen. Noch viel erschreckender fand ich aber die so mancherorts am Wegesrand platzierte Werbung oder Beschilderung, Plakate mit glücklichen Kühen über der Aufschrift "Agrarprodukte GmbH - qualifizierter Zuchtbullenvertrieb", der Slogan "... vom Schlachter direkt auf ihrem Teller" unter dem Namen eines Restaurants, eine "Betreten Verboten - wertvoller Schweinebestand" Warntafel vor einem halb verfallenen, stinkenden, fensterlosen Betonklotz oder eine toll gestaltete Tafel mit diversen Tierzeichnungen und der Betitelung "Gänse, Hühnchen, Kaninchen, Enten: küchenfertig!" Ich möchte niemanden mit erhobenem Zeigefinger den Verzicht auf tierische Produkte nahelegen und bin mir unsicher damit meine Gedanken hier zu teilen, aber als wichtiger Teil meiner Wahrnehmungen während der Tour, möchte ich auch darüber schreiben.


Schön finde ich, wie viele Teile Mecklenburg-Vorpommerns als Naturschutzgebiete für Pflanzen und Tiere erhalten werden. So konnte ich z.B. Füchsen begegnen, an einem kleinen Fuchs bin ich sogar ganz dicht vorbeigefahren, er blieb einfach vor mir auf dem Radweg stehen und schaute mich an, bevor er im Gebüsch verschwand. In den Orten traf ich auf unzählige Katzen, kleine und große, dicke und dünne, gestreifte, gefleckte, einfarbige, ... Und nicht zuletzt ist die ganze Gegend ein wahres Vogelparadies, leider kenne ich mich nicht besonders gut aus, aber ich habe Störche erkannt, Fischreiher, Enten und Schwäne, Haubentaucher, Möwen, ... Das Radwandern an sich kann ich insgesamt jedenfalls uneingeschränkt empfehlen, als eine nachhaltige, gesunde und erlebnisreiche Art zu reisen. Ich habe dabei nun auch mehr denn je gemerkt, wie wenig es ist, was ich eigentlich brauche. Das fällt leicht, wenn man jedes Kilo Gepäck als zusätzliche Last aus eigener Kraft voran bewegen muss. Zurück in die Großstadt geht es aber mit dem Fernbus, auch diese Fortbewegungsvariante habe ich innerhalb der letzten Jahre schätzen gelernt. Und wenn ich dann wieder Lust und Antrieb verspüre mal "raus zu kommen" und es etwas herbstlicher geworden ist, möchte ich es mal mit einer mehrtägigen Wanderung versuchen, vielleicht ein Stück des Jakobsweges oder ähnliches. Ein Link geht mit diesem Beitrag erneut zu "einab" und ebenso zu "bikelovin" wo jeden Monat unterschiedliche Posts mit Gedanken zum Thema Radfahren gesammelt werden.


Und abschließend noch mein Konsum-Update: mal wieder Postkarten und Briefmarken, dazu noch ein neues Buch, welches ich leider wieder neu und übers Internet bestellen musste. Und weiterhin beschäftigt mich mein Wunsch nach einem neuen Smartphone, vor allem wenn ich hier die Fotos vom alten Handy in wirklich dürftiger Qualität mit den Flecken wegen er verstaubten Linse hochlade, aber dazu ein anderes Mal mehr.

Kommentare:

  1. Erst jetzt komme ich dazu, in Ruhe deinen Bericht zu lesen. Schönes und Nachdenkliches - ein wunderbarer Beitrag zu Like-2-bike, gefällt mir sehr gut. Danke für´s Mitmachen!
    Liebe Grüße
    Christiane

    AntwortenLöschen
  2. Dieser Kommentar wurde vom Autor entfernt.

    AntwortenLöschen
  3. Das ist eine, trotz deiner dunklen Gedanken, schöne Tour. Berlin Usedom sollte ich auch endlich mal machen. Kann mich aber irgendwie nicht aufraffen. Hast du deine Unterkunft schon im Voraus gebucht? Oder eher auf gut Glück. Ich habe da im Brandenburgischen echt meine Bedenken. Findet man ja so schon kaum die Möglichkeit, Wasser zu kaufen.
    Radelnde Grüße,
    Andrea

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Hallo Andrea,
      ein Bekannter hat die Tour letztes Jahr gemacht und mir gesagt, man käme gut aus ohne vorher zu buchen, es gibt dort in vielen kleinen Orten (private) Zimmervermietungen. Aber er war im September unterwegs und ich in den Berliner Schulferien, und da ich täglich 110-120 km fahren und nicht nach dieser Strecke erst anfangen wollte eine Unterkunft zu suchen, habe ich vorher geschaut und gebucht. Und auch in welchen Orten ich Einkaufen kann, habe ich mir vorher heraus gesucht, denn du hast Recht, teilweise fährt man schon eine ganze Weile ohne einen Supermarkt an der Strecke. Es gibt aber in vielen, auch ganz kleinen Orten "Radlerjausen" und Ähnliches, man merkt dass die Gegen vom Tourismus lebt.
      Die Strecke lohnt sich auf jeden Fall !
      LG, Sarah

      Löschen
  4. Hallo Sarah, habe dich im Rückblick zur August-Sammlung verlinkt: http://bikelovin.blogspot.de/2015/09/like-2-bike-hauptsache-fahrrad-09.html
    Danke nochmal für deinen Beitrag!
    Liebe Grüße
    Christiane

    AntwortenLöschen