Montag, 24. April 2017

Von Auftragsarbeiten und Sonderwünschen

Im letzten Beitrag erwähnte ich bereits, dass mit dem Erstellen der Facebook-Seite und dem Versuch, meine Leidenschaft für das Häkeln publik zu machen, tatsächlich erste Anfragen eingehen. Okay, zugegeben, bislang sind es Freunde, Bekannte oder Verwandte, die sich ein Werk aus meiner Werkstatt wünschen, aber immerhin sind darunter Kontakte, zu denen bereits seit mehreren Jahren gar kein Kontakt mehr bestand. So eignet sich das Projekt "Trudis Traum" sogar zum Auffrischen alter Freundschaften :-)


Besonders schön ist es, wenn der Auftraggeber besondere Sonderwünsche äußert - diese zu erfüllen, macht das Werk doch direkt noch ein wenig wertvoller. So wurde letzte Woche z. b. eine meiner Handyhüllen in Tapestry Crochet Technik gewünscht. Sie sollte allerdings mit einem Band oder ähnlichem Versehen werden, damit das (recht kleine und leichte Seniorenhandy) beim Hundespaziergang auch zuverlässig mitgenommen wird und immer griffbereit ist. Ich entschied mich dafür, einen kleinen Karabiner anzunähen, so dass die Hülle, z. B. am Haken der Hundeleine befestigt werden kann. Das hat erstaunlich gut funktioniert. Ich werde es mir auf jeden Fall für die Zukunft merken und vielleicht bald auch Tapestry Crochet Schlüsselsäckchen mit ins Programm aufnehmen :-)

So ganz stimmt die Sache mit "Freunde, Bekannte oder Verwandte" aber doch nicht. Auf einer meiner letzten Zugfahrten ist nämlich eine ältere Dame auf meine Handyhülle aufmerksam geworden. Nachdem sie zunächst kaum glauben konnte, dass ich diese Hüllen selber fertige, wollte sie mir die Hülle unbedingt abkaufen. Ich hatte sie selber erst wenig genutzt und noch geschont, weil es ein Modell war, dass mir besonders gut gefallen hat. So konnte ich sie auch guten Gewissens hergeben und mich dafür bezahlen lassen (es war tatsächlich mein allererster Verkauf eines selbstgemachten Werkes). Allerdings hatte ich auf Reisen keinen Einsatz dabei und musste mir daher spontan eine neue Hülle häkeln. Weil ich auch diese besonders schön finde und mich jeden Tag daran erfreue, möchte ich sie hier ebenso zeigen und als Inspiration beim heutigen Creadienstag teilen.



Nach wie vor freue ich mich über jeden Besuch auf meiner Facebook-Seite und natürlich ganz allgemein über jede Form der Rückmeldung!

Sonntag, 23. April 2017

Sonntagsfreude – Freche Früchte

Vielleicht hat der ein oder andere Leser ja durch den letzten Beitrag zu meiner Facebook-Seite gefunden und einen Blick auf die ersten Rasseln und Greiflinge geworfen. Für alle anderen möchte ich sie gerne auch hier auf dem Blog präsentieren. Tatsächlich fing alles damit an, dass ich bei meinem letzten Berlin Besuch vor ein paar Wochen ein kleines Geschenk für zwei Babys aus dem Bekanntenkreis mitbringen wollte. Natürlich sollte es selbstgemacht sein, meine Überlegungen reichten von der Pumphose über die Mütze zu einem Kissen und landeten schließlich bei einer gehäkelten Rassel. "Warum nicht das tun, was ich am besten kann und was mir am meisten Spaß macht?", dachte ich mir, denn um ehrlich zu sein, Nähen stellt für mich doch eine etwas größere Herausforderung dar.


Ich klickte mich also durch diverse Internetplattformen und ließ mich inspirieren. Letztlich entschied ich mich aber nicht für eine der online gefundenen Anleitungen, sondern legte einfach selbst los. Holzring, Rasselkugel, etwas Baumwollgarn und Füllwatte – und fertig waren die ersten Modelle. Und bei den ersten beiden kleinen Begleitern konnte ich es kaum belassen. So sind in der Folge noch einige weitere und eben auch die oben erwähnte Facebook-Seite Trudis Traum entstanden, über die ich versuche, die Spielzeuge unter die Leute zu bringen. Bislang haben die Seite "nur" Freunde und Bekannte gelikt und ich bin ganz gespannt, ob über den Blog auch Unbekannte ihren Weg dorthin finden. Dabei soll dieser Beitrag natürlich kein plumper Werbepost werden! Ich freue mich einfach, dass meine Werke erste positive Rückmeldungen erfahren und sogar schon die ersten "Aufträge" eingehen :-)


Heute früh habe ich die ersten beiden Modelle der "Frechen Früchte" fertig gestellt: Das aparte Äpfelchen und die pfiffige Pflaume :-D Wie gefallen sie euch?


Wie bereits einige Beiträge in der Vergangenheit, verlinke ich auch diesen bei der Linksammlung Sonntagsfreude. Ich freue mich am heutigen Sonntag besonders über den Zuspruch und über die Kreativität, die mich scheinbar unermüdlich immer wieder überkommt und zu neuen Werken inspiriert. Und ich freue mich darüber, Zeit zu haben, Ideen in die Tat umzusetzen. Leider wird die Sonntagsfreuden-Sammlung vorerst nicht mehr weitergeführt, aber umso mehr freue ich mich, heute nochmal dabei sein zu können!

Dienstag, 18. April 2017

Neue Projekte

Schon wieder sind vier Monate vergangen, ohne dass ich die Muße hatte, den Blog mit Inhalten zu füllen. Dies lag aber nicht an einem Mangel möglicher Inhalte, sondern eher daran, dass andere Dinge bei meinem Zeitmanagement Vorrang hatten.

In den letzten Wochen hatte ich erfreulicherweise viel Zeit für neue kreative Projekte. Dabei begann alles damit, dass ich für Nachwuchs im Bekanntenkreis ein kleines Mitbringsel fertigen wollte. Ich entschied mich für Greiflinge mit Rasseln und hatte nach den ersten beiden „Prototypen“ direkt Ideen und Lust, weitere zu häkeln. Weil ich damit natürlich nun selber etwas wenig anfangen kann, möchte ich versuchen, die Greiflinge zu verkaufen. Hier stehe ich noch ganz am Anfang, habe aber immerhin eine bescheidene Facebook-Seite eingerichtet, auf der ich die Werke präsentiere. Ich freue mich über jeden, der auf der Seite vorbeischaut! :-) Ihr erreicht sie unter dem obigen Link bzw. direkt über https://www.facebook.com/Trudis-Traum-1504210202936883/

In diesem Beitrag zum Creadienstag möchte ich aber noch ein weiteres Werk zeigen, dass über die Ostertage entstanden ist. Den kleinen Teddy (aka Käpt’n Blaubär?) habe ich im Auftrag für einen Freund gehäkelt. Er soll ein Geschenk für einen weiteren neuen Erdenbürger sein und ich hoffe sehr, dass dieser Gefallen an meinem Werk finden wird!

Sonntag, 27. November 2016

Sonntagsfreude - Zero Waste Adventskranz

Sonntag, der erste Advent 2016. Der erste Sonntag im neuen Kirchenjahr kommt dieses Jahr so früh wie nur möglich, denn Heiligabend fällt auf einen Samstag. Womit sich viele schwer tun, fällt mir dieses Jahr leicht. Ich freue mich auf die Adventszeit und heiße sie gerne Willkommen.

Letztes Jahr habe ich das „Zählen der Tage“ durch die Arbeit im Kindergarten sehr bewusst erlebt. Von Tag zu Tag wurden mehr goldene Papiersterne an das Fenster geklebt und natürlich gab es einen ganz klassischen, schlichten Adventskranz, dessen Kerzen in der Mittagsrunde angezündet wurden. Dieses Jahr ist meine Herbst/Winterzeit sehr von Erinnerungen an letztes Jahr geprägt, das kenne ich so noch gar nicht von mir. So hatte ich das Bedürfnis danach, mir einen eigenen kleinen Adventskranz zu basteln.


Ich versuche immer noch möglichst wenig Müll zu produzieren, auf Plastik zu verzichten und insgesamt sparsam und durchdacht zu konsumieren. Für den „Kranz“ fielen mir leere Gläschen von Brotaufstrichen ins Auge - da es zunächst nur drei waren, habe ich die letzte Woche ein etwas ungewöhnliches Brot-zu-Aufstrich-Verhältnis an den Tag gelegt :-D In der Bastelkiste hatte ich noch Filzstreifen, ich glaube es waren Reste von Filzzuschnitten für Sitzkissen. Um die Gläschen zu verbinden, schienen die Streifen mir perfekt - sogar die Länge passte exakt. Einzig die Kerzen musste ich kaufen. Weil es keine großen Bienenwachskerzen gab, habe ich jeweils 7 kleine zusammengebunden und damit ungeplant eine Art Adventskalender geschaffen. Stabilisiert habe ich das ganze mit eingeschmolzenen Wachsresten.


Meine erste Tätigkeit heute war aber gar nicht das Anzünden der ersten Kerze, sondern der Gang in den Gottesdienst. Danach habe ich mich warm eingepackt und aufs Rad gesetzt. Die Touren sind immer geprägt von vielen Eindrücken, von denen ich nur wenige fotografisch festhalte, aber die liebevoll gestaltete Krippe in der Mauer an einem Hauseingang hat es vor die Linse geschafft.


Zurück zuhause fing es schon an zu dämmern, so dass die nun zum Leuchten gebrachte Kerze ihre Berechtigung hatte. Den Nachmittag / Abend habe ich genutzt, um einmal flott durch die Wohnung zu saugen und im neuen Zimmer eine Magnetpinnwand (die „zu Verschenken“ im Hausflur stand) und ein paar Postkarten aufzuhängen. Es fehlen allerdings noch einige, ich habe gestern vergessen, dass ich noch Büroklammern nachkaufen wollte… Und jetzt bin ich am grübeln, ob ich noch ins Kino gehe, oder den Abend gemütlich zuhause ausklingen lasse. Das altbekannte Entscheidungsproblem!

Verlinkt bei: Sonntagsfreude, Sieben Sachen Sonntag, EiNaB


Sonntag, 13. November 2016

Sonntagsneurose und Lebensfreude

Vor genau zwei Jahren habe ich auf diesem Blog den ersten Artikel veröffentlicht. Anlass genug, mich nach über einem halben Jahr mal wieder zu Wort zu melden.

Ich kann mich noch gut an die Zeit erinnern, in der ich den Blog gestartet habe. Der Leidensdruck meiner psychischen Irrungen und Wirrungen war wohl nahezu auf dem Höchstpunkt. Ich empfand nur sehr wenig Freude an (kleinsten) Dingen und diese wahrzunehmen, wurde zu einer täglichen Übung. Circa vier Monate später startete mein Klinikaufenthalt. Wenn ich vorher gewusst hätte, wie anstrengend, aufwühlend, verletzend und demotivierend manche Tage in der Klinik sein werden, hätte ich den Schritt in diese Behandlung vielleicht nicht gewagt. Wenn ich gleichermaßen gewusst hätte, wie wertvoll die Zeit im Nachhinein für mich sein wird, hätte ich mich vielleicht schon viel früher dafür entschieden. Wie gut, dass die Dinge kamen, wie sie gekommen sind - so war ich wohl genau zur richtigen Zeit am richtigen Ort.

Nun soll dieser Artikel eigentlich kein Rückblick werden. Eher ein Einblick, vielleicht auch ein Ausblick. Wie geht es mir momentan, was beschäftigt mich, woran muss ich noch arbeiten?


Auch wenn ich von der „Wie geht es dir?“-Frage nach wie vor nicht besonders viel halte: „So weit, so gut.“ wäre wohl eine passable Antwort. Im Vergleich zur Zeit vor zwei Jahren, bin ich deutlich aktiver, habe mehr Tatendrang, hege Wünsche, mache Pläne und verfolge Ziele. Im Großen, wie im Kleinen. Ich arbeite von Montag bis Freitag und manchmal auch am Wochenende, treffe darüber hinaus Verabredungen, treibe Sport, besuche Konzerte und Gottesdienste oder gehe ins Kino… Was für viele völlig selbstverständlich ist, war es für mich lange Zeit nicht. Ich empfinde wieder diese so wichtige, grundlegende Lebensfreude. Tage sind nicht mehr nur dazu da, um vorbei zu gehen, sondern, um genutzt zu werden.

Weil Entscheidungen treffen nach wie vor ein eher leidiges Thema ist, brauche ich dabei möglichst viel Struktur. Feste Tages- bzw. Wochenprogramme erleichtern mir den Alltag dahingehend, dass mich der Kampf mit der Frage „Was mache ich jetzt?“ nicht mehr allzu häufig aus der Bahn wirft. Leider passiert das dennoch weiterhin regelmäßig, weil mir irgendwo noch eine gehörige Portion Lustempfinden fehlt. Das Gefühl richtig Lust auf etwas zu haben, ist sehr sehr selten, so dass ich auch wenig „nach dem Lustprinzip“ entscheiden kann. Zusätzlich verspüre ich das starke Bedürfnis nach Sinnhaftigkeit meiner Tätigkeiten. Dennoch wagte ich den Schritt, beruflich nun einer Beschäftigung nachzugehen, bei der ich meine Arbeit größtenteils selber organisieren muss und nur wenig klare Aufgaben oder zeitliche Vorgaben bekomme. Das ist eine tägliche Herausforderung, in die ich definitiv noch herein wachsen muss möchte.

Eine andere große Herausforderung sind Sonntage. „Sonntagsdepression“ oder auch „Sonntagsneurose“ sind nicht nur für mich keine unbekannten Begriffe. Vor zwei Jahren veröffentlichten Hamburger Forscher die Studie „Rythms and Cycles in Happiness“ , in der das Auftreten von Sonntagsneurosen in unterschiedlichen Bevölkerungsgruppen systematisch untersucht wurde. Den Forschern zufolge hadern vor allem Menschen mit hohem Bildungsabschluss mit ihrer Freizeit. Einerseits möglicherweise aufgrund zunehmender Unsicherheit im Berufsleben, und damit unsicherer Erwartungen an den nahenden Montag. Andererseits vielleicht auch aufgrund des Bedürfnisses nach beruflicher Bestätigung und dem Ziel, seine Zeit „sinnvoll“ zu verbringen. Je weniger diesen Verlangen im Berufsalltag nachgekommen wird, desto größer die Gefahr, sie mit ins Wochenende zu nehmen?

Ein Generationsproblem scheint die Sache jedoch nicht zu sein. Bereits 1919 beschrieb der Analytiker Sándor Ferenczi in seinem Aufsatz „Sonntagsneurosen“ Patienten, die an Sonntagen von „mehr oder minder lästigen psychischen Zuständen geplagt“ sind, „die sich ohne besondere Ursache an diesem Tage einzustellen pflegten und den jungen Leuten den einzigen freien Tag der Woche oft gründlich verdarben.“ Und in den 50er Jahren beobachtete der Neurologe und Psychiater Viktor E. Frankl das "Gefühl der Öde und Leere, der Inhaltsleere und Sinnlosigkeit des Daseins, wie es gerade beim Stillstand wochentägiger Betriebsamkeit im Menschen aufbricht und zutage tritt“.


In meinem Fall mögen manche Aspekte passend und andere unpassend sein, aber Sonntage sind sicher nicht meine Lieblingstage. Vielleicht ist es am ehesten das Gefühl, dass etwas „zu Ende geht“, welches mir unangenehm ist. Nun finde ich mit wachsender Erkenntnis des Problems für mich glücklicherweise auch Mittel dagegen anzukommen. Sehr wichtig ist es, raus zu gehen. Am besten an Orte, an denen Menschen zu erwarten sind, die über die Tatsache, dass Sonntag ist, glücklich zu sein scheinen. Solche zu finden, ist nicht besonders schwierig - es kann der Spielplatz ums Eck, ein gut besuchtes Café in der Innenstadt oder ein beliebtes Ausflugsziel in der Umgebung sein. Kino, Theater oder Konzerte erfordern etwas mehr Planung und Entscheidungswille, eignen sich aber nicht minder gut.

Das vielfältige Angebot sonntäglicher „Eintritt frei - um Spenden wird gebeten“ Konzerten am neuen Wohnort ist meine heutige, vergangene und hoffentlich auch zukünftige Sonntagsfreude. Passend dazu zeigen die Collagen sieben Bilder sonntäglicher Unternehmungen der letzten Wochen und wandern damit in der Hoffnung nach langer Funkstille wieder ein paar Leser auf den Blog zu locken zur Sieben-Sachen-Sonntag-Sammlung.

P.S. Der Nachteil des hier so vielseitigen Angebotes: Oft - so auch heute - muss ich zwischen zwei oder mehr Konzerten wählen. Sinfonieorchester, eines der beiden Gospelkonzerte oder doch zum Public Viewing des 1000.Tatorts? Damit mich dann nicht doch wieder das „Was mache ich jetzt?“ Grübeln aus der Bahn wirft, lasse ich in solchen Fällen manchmal einfach das Los entscheiden. Schwierig ist es dann nur noch, die Entscheidung nicht in Frage zu stellen.

Sonntag, 24. April 2016

Sonntagsfreude - Laufen

Der positive Effekt von sportlicher (physischer) Betätigung auf das psychische Wohlbefinden wird in einer Vielzahl medizinischer Studien bestätigt. In einer aktuellen Studie untersuchte Emily E. Bernstein, eine Psychologieprofessorin aus Harvard, inwiefern tägliche Aerobic Übungen oder Jogging Runden helfen, Schwierigkeiten bei der Regulation von Emotionen zu überwinden. Hier konnte insbesondere den Aerobic Übungen eine positive Wirkung bescheinigt werden. Aber auch das Joggen kann helfen, Emotionen zu regulieren, Gedanken zu sortieren, ja sogar Entscheidungen zu treffen.

„Every major decision I’ve made in the last eight years has been prefaced by a run“ erklärte der Filmemacher und Youtuber Casey Neistat dem Magazin „Runner’s World“. Auch ich habe schon einige (wichtige) Entscheidungen während oder nach dem Laufen getroffen (unter anderem die für die neue Stelle im Rheinland). Und wenn ich in den letzten Wochen am Feierabend die Laufschuhe geschnürt und meine Runde im Stadtwald gedreht habe, tat ich das, um „raus zu kommen“. Nicht nur im wahrsten Sinne des Wortes, sondern auch gedanklich. Raus aus dem Büro an die frische Luft und raus aus den Gedanken des Arbeitstages.


Spaß habe ich beim Laufen eigentlich nicht. Im Gegensatz zum Radfahren finde ich es eher mühsam und muss mich manchmal richtig zwingen mich aufzuraffen. Im Gegensatz zu Radfahrern bringen Läufer einem auch selten einen fröhlichen Gesichtsausdruck entgegen, wenn sie einem entgegen traben. Aber das Gefühl nach dem Laufen ist ein angenehmes. Erschöpft, aber zufrieden etwas geleistet zu haben und vor allem (meistens): klar im Kopf! Die letzten Wochen bin ich zudem mit dem Ziel gelaufen, mich auf den heutigen 10km Lauf vorzubereiten. Und das hat mir (wie bei den Teilnahmen der letzten Jahre) richtig Freude bereitet. In einer riesigen Gruppe zu starten, vom Streckenrand aus angefeuert zu werden und das Gefühl etwas geschafft zu haben am Ende mit tausenden anderen fremden und bekannten Mitläufern zu teilen - das macht Spaß! Und während ich meine Trainingsrunden teilweise (größtenteils) eher gemächlich absolviert habe, bin ich die 10 km heute sogar nicht nur in persönlicher Bestzeit, sondern auch gleich zum ersten Mal unter 50 Minuten gelaufen. Sonntagsfreude!

Jetzt werden die Laufsachen guten Gewissens eine Pause einlegen. Als Ersatz packe ich den Wanderrucksack und starte auf meine erste mehrtägige Wandertour. Ich bin schon gespannt, ob mich die Füße ähnlich zuverlässig tragen werden, wie beim heutigen Lauf. Und bin mir sicher, dass die Stunden, die wir in 6 Tagen auf italienischen Wanderwegen verbringen werden, mindestens genauso gut zum Gedanken sortieren und Entscheidungen treffen taugen, wie die Jogging-Runden im Stadtwald.

Dienstag, 12. April 2016

Geschwisterbeziehungen - zweiter Teil

Über die Beziehung zu meinem Bruder habe ich hier schon einmal geschrieben. Geändert hat sich seitdem nicht viel und das eher in positiver Hinsicht. So hatte ich bei den letzten Familienzusammenkünften das Gefühl, mein Bruder hat ein wenig Egoismus durch Rücksichtnahme uns gegenüber eingetauscht und mir fiel es umgekehrt leichter als früher über die Spuren in Küche und Bad hinweg zu sehen. Die selbstgestrickten Socken stehen zu meiner Freude immer noch hoch im Kurs.

Von meinem Bruder habe ich jedenfalls jede Menge gelernt und vielleicht würde er dieses Kompliment ja sogar zurück geben. Aktuell wird er vom Lernen jedoch fürs erste genug haben und sich nach wochenlangem Lernprozess eine höchstverdiente Pause gönnen. Davor muss das in- und auswendig gelernte „nur“ noch abgeliefert werden - ich spare mir an dieser Stelle einen Kommentar über meine Gedanken zur Sinnhaftigkeit dieses, unserem Bildungssystem geschuldeten Prozedere. Das Examen schafft er auch noch, da bin ich mir sicher. Um ihm das Überstehen ein wenig zu erleichtern (falls das nur irgendwie möglich ist), habe ich es mir nicht nehmen lassen, ein kleines Survival-Kit zu schicken.


Darin gelandet sind:
Schokolade - als Nervennahrung
Halsbonbons - zum Durchatmen
ein roter Faden - falls er seinen verliert
Kräutertee - zur Entspannung
Energieriegel - gegen sinkende Konzentration
und ein Stein - der ihm vom Herzen fallen kann.

Inspiriert hat mich dieser Artikel der letzten Creadienstag-Runde und teilnehmen möchte ich mit meinem kleinen Paket am heutigen Creadienstag. „Geschwisterbeziehungen sind einmalig, weil es keine andere Form der Beziehung gibt, in der dieselbe Biologie und Soziologie geteilt wird“, erklärt der Kinder- und Jugendpsychiater Michael Schulte-Markwort. Ich jedenfalls drücke meinem Bruder die nächsten drei Tage so fest es geht die Daumen und hoffe, dass meine guten Gedanken dementsprechend auf einer besonders zuverlässigen Leitung übertragen werden. Toi, toi, toi.