Donnerstag, 4. Dezember 2014

Leistung, Lob und Anerkennung

Das Thema Leistung und wie wir in unserer Gesellschaft damit beispielsweise über das Äußern von Lob und Anerkennung umgehen, beschäftigt mich schon länger. Erbrachte Leistungen in jeglichen Bereichen, Schule, Studium, Beruf, aber auch Freizeit und Familie, sind oft verbunden mit Rückmeldungen, Urteilen oder Bewertungen. Vielleicht zu oft?

Prinzipiell ist das Erbringen einer Leistung doch zunächst erst mal etwas Positives und in der Regel auch mit entsprechend guten Gefühlen verbunden. Dem Gefühl etwas geschafft zu haben. Stolz darauf zu sein, eine bestimmte Fähigkeit zu besitzen und sich diese zu nutze gemacht zu haben. Und wünschenswert wäre wohl auch eine Verbundenheit mit dem Gefühl etwas Sinnvolles getan zu haben.

Ich frage mich manchmal, in welchem Umfang diese Gefühle intrinsisch, also lediglich, weil man selber mit sich und seiner Leistung zufrieden ist, entstehen und wie groß der Anteil der Auswirkung von Reaktionen der Umwelt auf die Gefühlslage des Leistenden ist. Verspürt man nicht oft noch deutlich mehr Stolz und Freude über die Dinge, wenn sie von anderen bewundert, gelobt oder einem hoch angerechnet werden? Und wenn ja, ist das sinnvoll? Sollte es nicht viel mehr so sein, dass einen die eigenen Leistungen von innen heraus befriedigen, man mit sich und seinen Tätigkeiten derart im Reinen ist, dass diese einen erfüllen und stolz machen, ohne dass es einer Bestätigung von Außen bedarf?

Mir fällt es momentan schwer Lob und Bewunderung überhaupt noch anzunehmen, weil mir genau dieser Aspekt abhanden gekommen ist. Ich erbringe zwar scheinbar Leistungen, die andere auch als solche anerkennen, auf die ich selber aber nicht stolz bin und die mich nicht erfüllen. Deswegen kann ich es so gar nicht leiden, dafür Bestätigung zu bekommen, gelobt, bewundert oder positiv beurteilt zu werden. Ich bin mit diesen Tätigkeiten und mir selbst oft so völlig im Unreinen, dass sie für mich auch keine Leistungen darstellen. Im Gegenteil, ich komme mir oft ziemlich blöd und lächerlich vor und habe das Gefühl, ich müsste jeden Moment aufhören und etwas vollkommen Anderes tun. Aber dann weiß ich eben nicht, was ich tun soll, was ich überhaupt will, was mich ausmacht und worüber ich mich - ganz unabhängig von Urteilen, Einschätzungen, Erwartungen und Rückmeldung anderer - definiere...


Eine solche „Scheinleistung“ ist das Studium. Heute habe ich meine Abschlussarbeit angemeldet. Und trotz Angst vor der Leere danach, verspüre den Drang, die Sache zu beenden. Wohl weniger, weil ich etwas Neues beginnen will (ich weiß ja nicht was), aber vielleicht in der Hoffnung etwas Neues beginnen zu müssen, wenn es erstmal so weit ist.

Auch für die handwerklichen Dinge werde ich oft gelobt und eigentlich freue ich mich in diesem Fall darüber. Aber auch hierbei tut sich ein Teil von mir schwer, das anzunehmen und die Freude zuzulassen, stellen vor allem das Häkeln und Stricken doch Tätigkeiten dar, die mir nicht selten nur dazu dienen, mir die Zeit zu vertreiben. Mich zu beschäftigen in Zeiten, in denen andere Menschen aktiv sind, Dinge unternehmen, Freude und Spaß am Leben haben. Wenn ich so darüber nachdenke, stehe ich dem Ganzen sehr zwiegespalten gegenüber.


Das beste Beispiel für derartiges Empfinden, ist diese Decke, die ich den Sommer über gehäkelt habe. Manchmal sicherlich drei oder sogar mehr Stunden am Tag war ich Reihe für Reihe wie besessen damit beschäftigt, mein Werk zu vollenden, einfach, weil ich mich vollkommen in das Häkeln vertiefen konnte und kaum Gefahr bestand, dass ich ins Grübeln über den Sinn des Lebens kam. Ich habe mich gefreut, als die Decke fertig war, ich bin stolz ein so großes Projekt beendet zu haben und ich bin sicher, sie wird mich im Gegensatz zu so manch einer gekauften Decke viele (insbesondere hoffentlich auch noch fröhlichere) Jahre begleiten. Aber wenn andere überschwänglich Begeisterung über die ganze Sache geäußert haben, konnte ich wenig damit anfangen und auch wenn ich nach Veröffentlichen dieses Beitrages den Rest des Abends mit Häkeln oder Stricken verbringen werde, werde ich mich fragen, ob das nun etwas Gutes oder Schlechtes, Falsches oder Richtiges ist und mich ein wenig darüber ärgern, dass ich mir nicht einfach mal „Das ist jetzt eben so.“ sagen und die Situation vollkommen wertfrei annehmen kann.


Über positive Rückmeldungen auf diesen Blogeintrag werde ich mich sicherlich dennoch freuen und verlinke die Decke daher beim heutigen RUMS und der Häkelliebe im Dezember :-)

Kommentare:

  1. Etwas so Schönes zu er-schaffen ist etwas ganz Besonderes.
    LG, nina

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  2. Liebe Sarah,
    mir fallen so viele Sachen zu deinem Post an, wo soll ich anfangen?
    Zunächst: Ich finde es super, dass du auf einem so hohen, reflektierten Level über diese Themen schreibst.
    Zu dem eigentlichen Thema: Ich habe ein ähnlich zweigespaltenes Verhältnis Lob gegenüber, schon immer gehabt! Ich wusste aber nie, warum. Bis ich vor nichtmal einem Jahr in einem Buch über Erziehung gelesen habe, dass übertriebenes Lob ähnlich negativ wie Ignoranz wirken kann! Es entfremdet von der eigenen Tätigkeit, es bringt zum Ausdruck, dass das Resultat wichtiger ist als der Akt/ der Mensch (!).
    Es ist schwer, aus erlernten Mustern auszubrechen. Man wünscht sich Anerkennung, aber nicht für das, was man tut (weil das u.U. für einen selbst trivial ist), sondern für das, was man *ist*. Als sinnvoller Teil einer selbst gewählten (Teil-) Gesellschaft. Glaub mir, ich verstehe dich nur zu gut!
    Was ich Dir daher sagen will: Der Sinn oder Unsinn einer Tätigkeit bemisst sich nach Deinem Urteil. Anerkennung bedeutet nicht, dass andere Deine Tätigkeit ebenfalls sinnvoll finden, sondern dass sie Dein *Urteil* darüber achten!
    Daher zuletzt: Was für eine geniale Decke :)
    Alles Liebe,
    frederike

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    1. Hallo Frederieke,
      danke für deinen ausführlichen Kommentar! :-) Ich glaube ich kann einiges nachvollziehen - insbesondere den zweiten Abschnitt. Ich erinnere mich sehr gut an Situationen (auch erst kürzlich erlebte), in denen mir Menschen, die mich bis dahin noch nicht kannten und somit auch gar nicht wissen konnten, was ich zu "leisten" im Stande bin, unheimlich herzlich und freundlich begegnet sind, dass es mich völlig verwirrt hat :D Sie waren einfach froh, über mein bloßes Dasein... Der letzte Abschnitt ist ein sehr interessanter Gedanke!
      Liebe Grüße, Sarah

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  3. Liebe Sarah, wenn ich deine Beiträge so lese, kann ich sehr gut nachvollziehen was du meinst, denkst und fühlst. Ich kenne das sehr genau und ertappe mich selbst auch sehr oft in ebensoclhen gedankenschleifen. Selten verstehen einen Andere wenn man erklärt, dass die sehr wahrnehmbareals übertrieben empfundene Freude über etwas was ich "geleistet" habe sich falsch anfühlt. So falsch, dass ich mir zu wünschen beginne ich hätte dieses oder jenes belobt gar nicht getan. Ich wwerde jetzt nicht weiter ausholen an dieser Stelle. Nur soviel: Du bist mir sympathisch und deinem Blog werde ich jetzt folgen, insbesondere deine fotografische Beschäftigung mit dem "Innen im Außen" gefällt mir schon jetzt.
    Sonnige Grüße
    Janny

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    1. Ohje, entschuldige, ich hab wieder ein Fehlerteufel dabei gehabt :-)

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